Strammer Rhythmus

- An Mahlers Symphonien scheitern viele Dirigenten. Einerseits sind sie riesig und auf Satzebene unüberschaubar und deshalb nur schwer als ganzer Block darstellbar. Falls es dann doch gelingt, so werden dabei andererseits ganz gerne dynamische und farbliche Extremwerte ignoriert, die von Mahler durchaus gewünscht waren. Eine der gelungensten, flexibelsten Interpretationen dürfte wohl auch heute noch diejenige von Leonard Bernstein sein: Hier findet das Einzelne seinen rechten Platz im Ganzen, alles klingt authentisch und unsentimental.

<P>Eliahu Inbal, der mit den Münchner Philharmonikern Gustav Mahlers anderthalbstündige Siebte aufführte, entschied sich für einen vergleichsweise gemäßigten, dezenten Ansatz. Der Kopfsatz zeigte eine klare Linie und wirkte in seinem Aufbau und seiner Steigerungsstruktur gut nachvollziehbar, während die erste Nachtmusik erstaunlich konsequent und rhythmusstramm durchgezogen wurde. Offenbar nahmen sich Inbal und die Philharmoniker viel Zeit zum Proben: Hier saß wirklich jede schwere Stelle, die Soli kamen sicher und die Balance der Instrumentalgruppen wurde klug reguliert. Eine klangschöne und technisch einwandfreie Siebte also, letztlich vielleicht eine Spur zu glatt und kühl. </P><P>In Mahlers Orchsterwelt wird nun einmal maßlos gejammert und gewinselt, frohlockt und gefeiert, und der Versuch, hier domestizierend und ordnend einzugreifen, führt zu selten glücklichen Ergebnissen (etwa Boulez´ langweiliges, dürres Mahler-Gesäusel). In orchestertechnischer und klangästhetischer Hinsicht boten die Philharmoniker und Inbal demnach eine überragende Leistung; musikalisch hätte man sich aber mehr Mut und Radikalität gewünscht.</P>

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