Strandleben mit Isabell

- Er hat sich in all den Jahrzehnten, in denen Malerei und vor allem Aquarell gar nicht angesagt waren, nicht beirren lassen: Frank Herzog, 1949 in Bückeburg geboren. Die Münchner Dany Keller Galerie präsentiert eine ganze Reihe seiner witzigen, ästhetisch sehr gut durchdachten und überdies erschwinglichen Blätter inklusive einige "Plastiken". Denn Scherzkeks Herzog kreiert schon mal Steckdosen - täuschend echt aus Papier und natürlich aquarelliert.

<P>Auch die winzigen weißen Reiter, Kühe oder wippenden Kinder aus den 50er-Jahre-Packungen der Margarine-Union tauchen zum Teil dreidimensional in Mini-Landschaften auf, zum Teil in einer Aquarell-Serie, die, so komisch sie ist, doch vor allem das künstlerische Problem der Farbe Weiß und der Leere, also des nicht bemalten Papiers, ventiliert. Und zwar auf beeindruckendem Niveau, aber ohne dass sich Herzog kunsttheoretisch aufmandelt. <BR><BR>Da hält ein begnadeter Understatement-Könner den Pinsel: egal, ob er das Strandleben ("Isabell ruht, und Hund Lucky sucht Kontakt"), den Traktor auf dem - natürlich weißen - Feld oder den mehr und mehr zerfetzten Goofy ("verletzt, stabile Seitenlage") pointiert aufs Blatt setzt. (Bis Januar, Besuch nach Vereinbarung unter Tel. 089/22 61 32, Agnesstraße 47.)<BR><BR>Angeschwemmter Dreck im himmelsanften Blau des Wassers; ein gigantisches Einkaufswagerl voller Waren, Supermarkt-Reklame am Straßenrand; ein rosa Schiffsbug, der sich ins Swimmingpool-Türkis des Flusses vorschiebt: Franck Christens Fotoarbeiten in der Galerie Tanit zeigen nichts Besonderes, zeigen das Besondere im Trivialen - wie es viele Fotokünstler tun. Aber Christen, der in den 90er-Jahren die Pariser Gesellschaft in Schwarz-Weiß porträtierte, entwickelt in diesen neuen, farbigen Aufnahmen viel Raffinesse im Umgang mit der Kolorierung. Manches wirkt, als wär's nachgemalt, anderes ist abgestuft wie auf einem Gemälde: die Gelbtöne eines Laubwalds im Herbst, das Pinien-Grün, gegen einen fast weißen Himmel, die schwarzen Vogelspuren im Schnee. Da ist es wieder das Schwarz-Weiß und wird als Komposition, entstanden durch Frank O. Gehrys Architektur des Vitra-Museums, hochelegant. (Bis 23. 12., Tel. 089/ 29 22 33, Maximilianstraße 45.)<BR><BR>Soll man sich nun mehr freuen über die Zeichnungen von Pablo Picasso (1881- 1973) oder die unbekannten Material-Collagen von Louise Nevelson (1899-1988)? Die beiden kleinen, feinen Präsentationen sind - bei freiem Eintritt - in der Galerie Thomas zu genießen. Die große amerikanische Bildhauerin, geboren in Kiew, hatte bei Hans Hoffmann in München gelernt: Einige Matisse-inspirierte Zeichnungen aus der Zeit vor den Nazis sind mitausgestellt. Berühmt wurde "the architect of shadow", wie sie sich nannte, mit ihren einheitlich schwarz gestrichenen Holzplastiken. Abfall - Bretter, Bettpfosten, Paddelteile - kombinierte die Künstlerin zu einer neuen Formation. Die zierlicheren, im Ursprungszustand belassenen Vorläufer-Collagen beschreiben den ästhetischen Weg dorthin - und erzählen mitunter skurrile Geschichten, etwa das schmutzige Handtuch mit der alten Schleifscheibe.<BR><BR>Von Picasso gibt es Blätter aus zwei Carnets, Nr. 067 von 1923 und Nr. 1135 von 1959. Aufregend ist es zu verfolgen, wie sich Zeichnungen eines einzigen Tages, 13. Mai 1959, aneinander reihen. Fast abstrakt und mit ganz wenigen Linien Blatt I: Mensch und Pflanzen. Dichte, furiose Zeichnung eines Frauenantlitzes auf Blatt XII, und auf Blatt XVI sitzt eine Dame vor uns, knapp umrissen die Figur, pointiert das Gesicht. Das Genie betört wie immer . . . (Bis 22. 1. 2005, Tel. 089/29 00 080, Maximilianstraße 25.)<BR><BR><BR></P>

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