Strauß des Abends

- Standing Ovations für Doris Schade, viel Beifall für alle anderen Geehrten und großes Gedränge hinterher an den kalten Buffets: Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte zur Verleihung der Bayerischen Theaterpreise ins Münchner Prinzregententheater geladen. Es war dies innerhalb von sechs Jahren auch die sechste Veranstaltung dieser Art; ab jetzt wird gespart: In Zukunft gibt's den Theaterpreis nur noch alle zwei Jahre. So ganz uneingeschränkt ist man also - zumindest in der Staatskanzlei - ja wohl doch nicht von der persönlichkeitsbildenden Kraft und der Unverzichtbarkeit der Bühnenkunst überzeugt; denn diese Sparmaßnahme trifft allein diesen Preis. Beim Bayerischen Film- sowie dem Bayerischen Fernsehpreis sei nicht daran gedacht, den Zweijahresrhythmus einzuführen.

Dennoch überall gute Miene zum verlogenen Spiel: Theaterleute und Politiker feierten am Donnerstagabend miteinander ein schönes Fest, wofür nicht zuletzt die souveräne Moderatorin Sabine Sauer gesorgt hat. Und die aus dem nicht-bayerischen "Ausland" Angereisten kamen aus dem Staunen über die bayerische Freigiebigkeit gar nicht heraus. Das sieht man naturgemäß von Berlin oder Frankfurt aus anders. Insgesamt ist die Preisausstattung mit rund 250 000 Euro ja auch höchst erfreulich. Mit jeweils 50 000 Euro wurden ausgezeichnet: das Schauspiel Stuttgart, die Komische Oper Berlin, William Forsythes Ballett Frankfurt sowie das Metropol-Theater München. Mit 25 000 Euro wurde das Kinder- und Jugendtheater Mumpitz aus Nürnberg prämiert. Und als stolze Empfänger der Darsteller-Förderpreise (jeweils 6000 Euro) nahmen die Sängerinnen Stefanie Dietrich (München) und Barbara Schöller (Würzburg) sowie die Schauspieler Christian Hettkamp (Regensburg) und Marc Oliver Schulze (München) für sich ein.<BR><BR>Die Wahl der Laudatoren mag ja Glückssache sein. Schlecht beraten waren aber die Veranstalter im Falle der ausgemusterten Kulturpolitiker Hans Maier und Hilmar Hoffmann. Dass das Format des Vortrags keine Frage des Alters ist, bewies einmal mehr der unvergleichliche Rolf Boysen. Er band seiner einstigen "Desdemona" Doris Schade anlässlich ihres Ehrenpreises mit wunderbaren Worten den charmantesten Strauß des Abends.

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