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Eric Clapton

Der Streichler und der Kämpfer

München - Eric Clapton und Steve Winwood geben am Königsplatz ein virtuoses, grobes, magisches Bluesrock-Konzert.

Haben wir die beiden nicht eben noch am Bierstand gesehen? Als Eric Clapton und Steve Winwood die Bühne am Münchner Königsplatz erklimmen, wirkt das nicht, als würden zwei Rockstars vor eine Wahnsinnskulisse von gut 14 000 Menschen treten.

Winwood im grob karierten Holzfällerhemd und Clapton in löchriger Jeans sehen genauso aus wie die Menschen, die ihretwegen viel Geld ausgegeben haben (und – sofern sie auf der monströsen Tribüne am anderen Ende des Platzes sitzen – gar nicht mal so viel sehen). Bratwurstduft und blauer Himmel: Einen „guten Abend“ diagnostiziert Clapton auf Deutsch. Später meint er, letztes Mal habe es geregnet. „Heute ist das Wetter besser – und auch die Begleitung.“

Tatsächlich, am Ende dieses fulminanten Konzertes fragt man sich: Wieso sind er und Winwood nicht längst auf die Idee gekommen, es mal wieder gemeinsam zu versuchen? Vor stolzen 41 Jahren nahmen sie die Platte „Blind Faith“ auf und waren den Riesenerwartungen nicht gewachsen (Clapton war als Gitarrengott bei „Cream“ ausgestiegen, Winwood hatte als Gitarrist, Organist und Sänger der „Spencer Davis Group“ Tophits gelandet). Heute dagegen stellt sich wirklich „blindes Vertrauen“ zwischen den beiden und auch ihrer tollen Band ein.

Steve Winwood

Das wilde Gitarrengeheule des Eröffnungsstücks „Had To Cry Today“ täuscht ein wenig: Das Instrument, das diesen Abend prägt, ist Winwoods „Hammond B3“. Was heißt hier Instrument – verschrammtes, verranztes, antikes Möbelstück! Man begreift, warum dieses Monster auch „Schweineorgel“ genannt wird. Während der Blues-Virtuose Clapton seinen Gitarrenhals streichelt, kitzelt und mit anbetungswürdiger Leichtigkeit die Saiten weinen lässt, wirkt Winwood nie ganz wie der völlige Gebieter über diese Zicke von einem Instrument: Es ist ein Kampf mit den beiden Manualen und unzähligen Reglern, bis er ihnen ihr charakteristisches Gurgeln, Kreischen und Wimmern entlockt hat.

Der Gegensatz aus Claptons Blues-Perfektion und Winwoods grober Soul-Kelle macht diesen Abend magisch. Als Sänger schenken sie sich ohnehin nichts: sehr viel Seele, alle beide. „Layla“ akustisch, „Presence Of The Lord“ ein früher Höhepunkt. „Cocaine“, von Pianist Chris Stainton irrwitzig vollendet, „Crossroads“ aggressiv und „Gimme Some Lovin’“, der Partyhit: Alle toll, aber alle verblassen vor „Voodoo Chile“, einer Viertelstunde Blues-Exzess.

Ein musikgewordenes Urvieh, das oft leise verschnauft, um sich dann wieder rasend zu erheben. Komponist Jimi Hendrix mag wohlwollend vom mittlerweile dunklen Abendhimmel lächeln. Spätestens jetzt kann man sich Winwood und Clapton auch nicht mehr am Bierstand vorstellen, sondern nur noch da, wo sie hingehören: im Olymp. 

Johannes Löhr

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