Streik: Finale des Intendanten in Gefahr

- "Wenn die beiden Dienstfahrer von Finanzminister Kurt Faltlhauser streiken würden, dann wäre die Aufführung spätestens ab dem zweiten Akt szenisch." Aber, und die Bemerkung schiebt Sir Peter Jonas listig nach: So was könne und dürfe er hier nicht sagen. Dieses oder Ähnliches pflegt der Staatsopern-Intendant seit dem 13. Februar vor Vorstellungsbeginn zu formulieren. Anfangs noch launig, mittlerweile deutlich genervt.

Gewerkschaft kritisiert "Arroganz" des Freistaats

Dass nun noch die beiden "Poppea"-Abende der nächsten Woche abgesagt werden mussten, trifft die Staatsoper wieder ins Mark. Nicht nur, weil durch den Streik der normale Repertoire-Betrieb ins Schlingern geraten ist, auch die Opernfestspiele sind nun in Gefahr. Denn eigentlich waren sie als große Leistungsschau zum Finale der Ära Peter Jonas/ Zubin Mehta geplant. Fast jeden Tag eine andere Produktion, da müsste natürlich mittels Repertoire-Aufführungen vorgeprobt werden. Im vollgepackten Festival ist dafür keine Zeit.

Doch genau dieser Vorlauf fehlt der Oper jetzt. Betroffen ist vor allem die Barockschiene, Lieblingskind des Intendanten. "Calisto" und "Ulisse" gibt's lediglich szenisch eingeschränkt, "Poppea" gar nicht, Glucks "Orpheus" bislang nur konzertant: Kaum vorstellbar, dass die Staatsoper diesen Probenrückstand bis Juli aufholen kann. Um die Ballettwochen-Premiere (17. April) zu retten, musste nun auch noch die "Tosca" am 11. April gekippt werden.

Eigentlich sind derzeit nur die Konzerte der Staatsoper gesichert. Mittlerweile beklagt das Haus mehr als eine halbe Million Euro Verlust - durch Einnahme-Ausfälle und Vergabe von notwendigen Arbeiten an Drittfirmen. Offiziell hat sich die Führungsetage aber auf Stillhalten verständigt. Man hoffe auf nächsten Montag, vielleicht zeichne sich bis dahin "etwas" ab.

Sicherlich nicht ein Ende des Streiks, wie Heinrich Birner, Berzirks-Geschäftsführer von Verdi, betont. Richtig sei, dass es Montag oder Dienstag die nächste der regelmäßigen Streikversammlungen gebe. Entschieden werde da aber über das "Wie", nicht über das "Ob" eines Arbeitskampfes.

Denn an der Situation, so Birner, habe sich nichts geändert: "Wir erleben einen Herrn Stoiber und einen Herrn Faltlhauser, denen es offensichtlich egal ist, wie lange gearbeitet wird und wie diese Menschen ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld leben können." Diese Arroganz sei "unbeschreiblich" und führe dazu, dass "sich bei den Streikenden immer mehr Wut entwickelt".

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