Streng und schön

- Eine Griechenlandreise? Die kann man sich heuer sparen. Denn Ithaka liegt zurzeit am Königsplatz. Dort ist gerade ein berühmter griechischer Held angekommen - Trojakrieg und zehn Jahre Irrfahrten hinter sich: Mit "Heimkehr des Odysseus", der zweiten Hälfte des Homer-Epos, eröffneten Gunnar Petersen und Beles Adam die traditionelle Sommersaison in Münchens reizvollem Freilufttheater, dem Innenhof der Glyptothek.

Zwei wunderbare Schauspieler, die J. H. Vossens Übersetzung sprachlich kultiviert, ohne jegliches Pathos gestalten, ein mittelmeerischer Vollmondabend, eine Flasche griechischen Wein auf dem Tisch - wenn das kein Griechenland-Erlebnis ist. Und mit wenigen, den schlichtesten (nicht den billigsten!) Mitteln erreicht. Niklas Nitschke (Regie, gekürzte Textfassung, Bühne) hat streng und schön auf klare schlanke Linien gesetzt, in Sprache, Spiel und Optik.

Ein feuerrotes Gewand (Juliane Kasprzik) für Odysseus, ein weißes für Penelope, ein stahlblaues für Pallas Athene (ebenfalls Beles Adam). Petersens Odysseus: ein abgeklärter, von den auferlegten Irrungen ermatteter Heimkehrer, aber noch brennend in seinem Zorn über die schmarotzenden Freier an seinem Hof. Ein Kämpfer trotz allem, der die Sprache, die Geste noch leidenschaftlich auflodern lässt. Und Beles Adams Penelope: eine Frau, die das vergebliche Warten auf den Gatten als Schicksal auf sich genommen hat - ergeben, aber auch überlegt und statuarisch kühl.

Ihr lapidares "Jetzt besiegst du mein Herz, und alle Zweifel verschwinden" atmet kaum Wiedersehensglut. Da vermutet man eher einen nächtlichen Ehevollzug, über den sich der Raureif der verlorenen Jahre legt - und schon die Schatten des Lebensendes. Während es bei Homer mit neuen Regierungsgeschäften des Helden endet, entlässt uns Nitschke in seiner Textstraffung mit Odysseus' Vorahnung: "Zuletzt wird außer dem Meere kommen der Tod und mich . . . sanft hinnehmen" - nachdenklich. Malve Gradinger Karten 089/ 218 39 82, Regentelefon 089/ 300 30 13.

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