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Ein Amphitheater in Münchens Schauburg: Regisseur Peer Boysen bringt in diesem Halbrund seine Schauspieler in Bewegung.

Stroh zu Gold gesponnen

München - Mit Peer Boysens Inszenierung von Nino Haratischwilis „Elektras Krieg“ startete die Schauburg in die neue Spielzeit. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

Keiner hat nur Recht, und nichts wird wieder gut – so sieht die in Georgien geborene Autorin Nino Haratischwili (30), die heute in Hamburg lebt, den klassischen Elektra-Stoff. In ihrem Stück „Elektras Krieg“, das nun an der Münchner Schauburg für Leute ab 14 Jahren herauskam, rückt sie das Geschehen nah an unsere Zeit heran. Es geht ihr um die Fragwürdigkeit von Schuldzuweisung und Rache: Auch hier beklagt die Griechin Elektra die Ermordung ihres Vaters Agamemnon durch die Mutter Klytaimnestra und deren Liebhaber Aigisthos. Auch hier wartet sie auf die Rückkehr des Bruders Orest aus dem Krieg gegen Troja, damit er ihr bei der Rache helfe.

Doch die Autorin führt die Figur der Polyxena ein, die ihrerseits auf Rache sinnt. Denn sie hat ihre Schwester Kassandra, ihre ganze Familie durch die Gewalt eben dieses Agamemnon verloren, der Brot mit Ziegenkäse aß, während seine Soldaten die Trojaner mordeten. Krieg und Schuld also überall. Nicht wer angefangen hat, ist die Frage, sondern: Wer hört auf?

Das Stück in schlichter Sprache und trotzdem nicht leicht zu verstehen (da müssen Lehrer schon kräftig vorarbeiten, und das am besten doch mit den alten Griechen), könnte zum reinen Erörterungsabend werden, gäbe es da nicht den Mann, der Stroh zu Gold spinnen kann: Peer Boysen. Der Regisseur baut ein Amphitheater mit vielen Rängen, auf denen er seine sechs Schauspieler in Position und Bewegung bringt. So schafft er es, die Sache mit einem klassischen Ambiente zu überhöhen. Im Mittelpunkt steht ein Flügel: die Spiel-, eher Sitzfläche für die lebenszugewandte Schwester Chrysothemis (hier unnötig Thea geheißen), die sich schminkt, pudert, mit Lippenstift hantiert und von der Raserei Elektras nichts wissen will. Aber es gibt auch den Pianisten Wanja Belaga, und der ist mit seinen sensibel ausgehörten Improvisationen ein wesentlicher Bestandteil der Aufführung.

Julia Meier und Lucca Züchner spielen die beiden 17-Jährigen, Elektra und Polyxena, als zwei starke Mädchen mit einer „Sendung“, die sie sich von einer korrupten Gesellschaft nicht abschwatzen lassen wollen. Thorsten Krohn gibt den Aigisthos als schnöselig-eitlen Waffenhändler, und Corinna Beilharz’ Klytaimnestra ist, einen Tick zu manieriert, die Dame in Schwarz mit Hut und Sonnenbrille. Einen ganz anderen, frischen Ton bringt Leonard Hohm als Orest ins Spiel: Traumatisiert vom Krieg denkt er gar nicht daran, zur Rache zu schreiten. Er redet nur noch „privat“, will ein paar Feigenschnäpse und aufs Land ziehen – mit Polyxena und ist damit die herbe Enttäuschung für Elektra. Eine Lösung der Konflikte? Am Ende ferner denn je.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen

am 15.,16. und 17. Oktober; Telefon 089/ 233 371 55.

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