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Sie wollten nie als Wiesn-Band wahrgenommen werden – und wurden es auch nicht: Gert Steinbäcker, Schiffkowitz und Günter Timischl (v. li.) von STS.

Schuld ist die Schulter

München - Gert Steinbäcker, Günter Timischl und Schiffkowitz – besser bekannt als STS – spielen keine Konzerte mehr. Schuld ist die Schulter.

Vor ziemlich genau drei Jahren hatten STS eine Abschiedstournee angekündigt. Gert Steinbäcker, das erste „S“ in STS, versicherte damals im Gespräch mit unserer Zeitung aber auch: Es werde weiter einzelne Auftritte geben. Nur „50, 60 Konzerte am Stück zu spielen, dem wollen wir uns nicht mehr aussetzen“, so hatte Steinbäcker erklärt.

Nun haben STS, eine der erfolgreichsten und gleichzeitig die wohl unscheinbarste Band Österreichs, doch das völlige Aus verkündet: Eine Arthrose im Schultergelenk von Günter Timischl mache das gemeinsame Musizieren auf der Bühne unmöglich. Irgendwie passt es bemerkenswert gut, dass STS sich nicht aus den üblichen Gründen von der Bühne verabschieden: also Streit ums Geld, persönliche Animositäten, Ableben einzelner Mitglieder nach übermäßigem Konsum von legalen und illegalen Drogen – oder gleich alles zusammen. Nein, die drei Österreicher sehen einfach die Endlichkeit der Dinge und akzeptieren sie.

Das war wohl generell das Geheimnis ihres erstaunlichen, seit Jahrzehnten währenden Erfolgs: Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz haben nie etwas erzwungen, sondern die Musik gespielt, die sie selber gerne hören. Damit haben sie offenbar immer wieder den Nerv ihrer zahlreichen Fans getroffen. Ja, sie haben es sogar überstanden, mit „Fürstenfeld“ einen Wiesn-Hit gehabt zu haben. Vor 30 Jahren war das, und keiner hätte damals geglaubt, dass diese drei kauzigen Alpen-Barden noch Jahrzehnte später große Säle füllen und weitere Hits haben sollten. Die Kritik hat diese drei Männer, die aussahen wie Sozialpädagogen mit Schwerpunkt Anti-Aggressionsmanagement und auch entsprechende Texte sangen, nie für voll genommen. Im Gegenzug haben STS sich nie sonderlich für das Feuilleton interessiert oder angefangen, an ihre eigene herausragende Bedeutung für den Lauf der Welt zu glauben. Sie hatten Null Glamour, aber auch Null Größenwahn. Selbstbewusst freilich waren sie schon, wenn sie den Begriff „Austro-Pop“ freundlich, aber bestimmt für sich ablehnten. Sie sahen sich in der Tradition angelsächsischer Singer-Songwriter, die alles besingen, was sie bewegt. „Die Tradition gab es bei uns halt nicht, deswegen wusste niemand, in welche Schublade er uns stecken soll“, hatte Steinbäcker das geduldig im Gespräch erläutert und ansonsten darauf verwiesen, dass man das den Fans nicht erklären müsse. Stimmt natürlich.

Zoran Gojic

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