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Allein mit einem Kunstwerk – das wäre ideal. Doch Ausstellungen wie die „El Greco“-Schau im Düsseldorfer Kunstpalast, bei der unser Foto entstanden ist, locken viele Besucher an. Das ist gut für die Bilanz der Museen, macht den Kunstgenuss für den Einzelnen aber schwierig.

Mit Pulsmesser im Museum

München - Mit welchen Gefühlen gehen Menschen durch ein Museum? Kulturwissenschaftler Martin Tröndle ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Seine Ergebnisse könnten die Museumswelt zum Nachdenken bringen.

Mit einem schlichten „gefällt mir“ gibt sich Kulturwissenschaftler Martin Tröndle nicht zufrieden. Er wollte genau wissen, was in Museumsbesuchern vorgeht. Dafür maß der Juniorprofessor der Zeppelin Universität in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) ihre Herzfrequenz, die Leitfähigkeit ihrer Haut und ihre Gehwege bei der Begegnung mit Kunst. „Viele Grundannahmen im Museumsbetrieb, die bis heute gelten, sind kaum haltbar“, lautet das erste Resümee seiner Studie.

So handelten viele Museen nach der Devise: je mehr Besucher, desto besser die Ausstellung – und vermelden stolz Besuchsrekorde. Seine Untersuchung habe aber bestätigt, dass Kunstbesucher Ruhe brauchen, sagt Tröndle – und die ist bei großem Andrang in den Ausstellungsräumen eher schwer herstellbar. „Menschen, die sich beim Betrachten der Werke unterhalten, bekommen signifikant weniger davon mit“, ist Tröndle sicher. Viele Museen müssten deshalb ihre Konzeptionen neu überdenken. „Einerseits müssen sie dem sozialen Bedürfnis der Besucher gerecht werden, andererseits aber auch den Werken zu ihrer Wirkung verhelfen.“

Als gelungenes Beispiel bezeichnet der Wissenschaftler den Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate auf der Biennale in Venedig im vergangenen Jahr: „Der Kurator Vasif Kortun hatte ein kluges Design umgesetzt.“ Er sorgte etwa mit Trennwänden zwischen den Kunstwerken dafür, dass die Aufmerksamkeit der Besucher viel stärker auf das einzelne Kunstwerk gelenkt wurde. Das seien die Anfänge für das Museum der Zukunft. „Es muss darum gehen, wie man die Ökonomie der Aufmerksamkeit im Museum des 21. Jahrhunderts neu organisiert.“

Tröndles Untersuchungen räumen auch mit einem anderen Vorurteil auf: dass Kunst nur von denen genossen werden kann, die etwas davon verstehen. Das sei nur bedingt richtig, stellt der 40-Jährige klar. „Das Vorwissen hat einen deutlich geringeren Einfluss auf das Kunsterleben als angenommen. Der wenig Wissende erfährt Kunst sehr ähnlich wie der Kenner.“

Für seine Forschung hatte Tröndle im Jahr 2009 mit einem internationalen Team 576 Besucher des Kunstmuseums St. Gallen befragt und mit Datenhandschuhen ausgestattet, die verschiedene Körperfunktionen aufzeichneten. „Dadurch können wir genau nachvollziehen, welche körperliche Auswirkung Kunst auf den Menschen hat“, erläuterte der Wissenschaftler.

Im Schnitt bleibe der Betrachter elf Sekunden vor einem Werk stehen. Einzelne Gemälde, Plastiken oder Installationen seien allerdings besonders anziehend. So löste beispielsweise das Werk „Campbell Soup“ von Andy Warhol ein regelrechtes Feuerwerk bei den Besuchern in St. Gallen aus – „das waren ausschlagende physiologische Reaktionen“.

Von Kathrin Streckenbach

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