Ein Stück Seele

- "Vivat noch, Ihr edlen Spender!", prostet Michael Lerchenberg, Schauspieler und Luisenburg-Intendant, den Mäzenen zu. Denn auch sie müssen beim Hebauf des Zierhof-Dachs im Residenz-Trakt des Münchner Cuvilliéstheaters unbedingt gepriesen werden: Schließlich ist die sanft geschwungene, von einem zarten Stahlraster gehaltene Glaskuppel ihnen zu verdanken. Und wird deswegen in Zukunft Comité-Hof heißen, nach dem Comité Cuvilliés.

In ihm haben sich unter Federführung von Roland Berger Bürger zusammengetan ­ darunter auch Dirk Ippen, Verleger dieser Zeitung ­, um die Sanierung des Theaters zu unterstützen. Denn nur so ist es möglich, dass die Bühne schon ab Juni 2008 wieder bespielt werden kann ­ rechtzeitig zur 850-Jahr-Feier der Landeshauptstadt. Eröffnungspremiere wird"Idomeneo" sein, inszeniert von Dieter Dorn, dirigiert von Kent Nagano.

Das Comité-Ziel, zehn Prozent von der Bausumme (22 Millionen Euro), ist nicht nur erreicht worden, sondern man "erbettelte" sogar einen Überschuss. Der schwebt nun als Überdachung über den Häuptern der Richtfest-Runde. Mit der "Schutzhaube" wird das oktogonale Höfchen mit seinen Bogen-gezierten Wänden zu einem beschwingten Theaterfoyer und einem reizvollen Ort für Festivitäten. Wie jetzt schon ­ noch ganz im Rohzustand ­ festzustellen ist, tut sich hier ein charmanter, intimer, aber nicht beengter Raum auf, der vor allem durch seine umlaufende, große Galerie im Obergeschoss an Schönheit und Variabilität gewinnt.

Wer den alten, leicht versifften Hof noch in Erinnerung hat, wird nun seinen Augen nicht trauen. Hausherr Kurt Faltlhauser (als Finanzminister zuständig für die Schlösser) bedankte sich in der Richtfestrede also sowohl bei der engagierten, ideenreichen Bauverwaltung, als auch beim Architekturbüro Achatz (innovative Dachkonstruktion), und er unterstrich das Bemühen des Comités Cuvilliés. "Ein Stück Seele" werde mit einem lebendigen Theaterort der Residenz wieder zurückgegeben ­ wie Ende der 1950er-Jahre, als die Münchner nach dem Krieg für ihre Rokoko-Bühne theaternarrisch eine enorme Summe stifteten.

So konnte man den Traditionsbruch verzeihen, dass nicht ein Handwerker den Richtspruch sagte, sondern ein "Mime". Lerchenberg tat das in flotter Wilhelm-Busch-Manier ("Bauamt sorgte sich und TÜV übers ramponierte ,Cuv’"), entschuldigte sich bei den Handwerkern und solidarisierte sich ein wenig mit ihnen, die auf der Empore saßen: Für dieses Mal waren "Großkopferte unt‘ und Arbeiter obn".

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