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Christian Stückl inszeniert zurzeit in Hamburg.

Stückl in Hamburg: "Ein eigenartiges Teil"

München - Oper ist für Christian Stückl der Ausnahmefall. Mit dem Münchner Merkur sprach der Volkstheater-Intendant über seine Inszenierung von "Ariadne auf Naxos" an der Hamburger Staatsoper.

Zweimal hat der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, bislang im Musiktheater gewildert: in Köln mit Beethovens „Fidelio“, in München mit Pfitzners „Palestrina“, eine Produktion, die nach Hamburg weiterwanderte. An der dortigen Staatsoper ist er derzeit mit den Proben für „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss beschäftigt. Opernchefin Simone Young dirigiert, Premiere ist am kommenden Sonntag.

Schauspiel-Regisseure sind oft ganz angetan von der Arbeit mit Sängern. Vieles falle leichter, sei selbstverständlicher, heißt es. Wie geht es Ihnen dabei?

Es ist schon ein Riesenunterschied. Ehrlich gesagt, arbeite ich total gern mit Schauspielern. Wir müssen dann ein Tempo erfinden, einen Rhythmus des Stücks, das gibt die Oper ja alles vor. In der Probenarbeit für die Oper muss ich mich eher zurückhalten. Am liebsten würd’ ich auch noch alles vorsingen.

Kommen Sie mit der „Ariadne“ endlich raus aus der Opernschublade „Massenszene und / oder katholisch“?

In solche Schubladen leg’ ich mich ja nicht selber hinein. Ich mache schon genug andere Sachen am Volkstheater. Aber es stimmt, die „Ariadne“ hat einen ganz anderen Charakter als die bisherigen zwei Opernprojekte. Was mir jetzt ein bisserl abgeht, ist der Chor.

Ein Wunschstück?

Simone Young kam auf die Idee. Ich kannte die „Ariadne“ überhaupt nicht. Als sie mir das Stück vorschlug, sagte ich: „Ja mei, Strauss, ,Ariadne‘, lass mich des erst mal lesen.“ Ein eigenartiges Teil ist das schon. Manchmal scheint mir die Geschichte dramaturgisch nicht ganz durchdacht. Dem Briefwechsel Strauss/Hofmannsthal merkt man an, wie lang die beiden damit herumgetan haben. Die haben förmlich ums Stück gestritten und darum, was sie damit überhaupt erzählen wollen.

Und das wäre?

Viele sagen ja, es gehe hier mit Ariadne und Zerbinetta um zwei unterschiedliche Frauentypen und darum, wie die mit der Liebe umgehen. Wenn der erste Teil des Stücks mit dem total anderen zweiten aber etwas zu tun haben soll, dann muss man erkennen, dass es in der „Ariadne“ um eine Art Streit zwischen U- und E-Musik geht. Um den Widerstreit, auch um die Bedeutung von Kunst und um ihre Mäzene – auch wenn diese Problematik im zweiten Teil nicht richtig weitergeführt wird. Die Rolle des Komponisten ist für mich die Hauptfigur. Man muss also ziemlich viel aus dem sogenannten „Vorspiel“ in den zweiten Teil, in die „Oper“ mit hineinnehmen.

Sind Ariadne und Zerbinetta wesensverwandt?

Nein. Eher Ariadne und Bacchus. Sie hängt einem Traumbild nach, er auch. Und der Einzige, den sie akzeptiert, kapiert bis zum Schluss nicht, dass er damit gemeint ist. Das sind zwei, die immer vor dem anderen Geschlecht davonlaufen. Zerbinetta ist dagegen ständig mit Männern beschäftigt.

Sie sind ein kleineres, wendiges Haus wie das Volkstheater gewöhnt. Wie schwer ist es, mit dem Supertanker Staatsoper zurechtzukommen?

Ob Köln, München oder Hamburg, das sind alles die gleichen Dimensionen, nämlich ziemlich große Geräte. Wenn Sie am Volkstheater sagen, dass Sie gern eine halbe Stunde länger proben wollen, dann machen die das halt. Anders an den Staatsopern, da müssen Sie erst lernen, mit dem starren Korsett eines solchen Betriebes zurechtzukommen.

Und wie oft wollen Sie Oper inszenieren?

Ich merk’ einfach, dass ich zwischendurch Oper mal ganz gern hab’. Und dabei soll’s auch bleiben, das soll jetzt nicht distanzierend klingen. Wenn was daherkommt, dann kommt etwas daher. Aber ich plane es nicht bewusst.

Dass im Schauspiel Kürzungen und Umstellungen vorgenommen werden, ist mittlerweile Alltag. Ist die Oper für Sie da sakrosankt?

Wichtig ist natürlich, die Partitur zu respektieren. Und Eingriffe hängen immer davon ab, mit welchem Dirigenten man arbeitet. Beim „Palestrina“ habe ich mir schon manchmal gedacht: Mensch, reißt doch mal den überlangen ersten Akt auseinander, der Pfitzner verliert ja völlig den Faden...

Wie stark ist der Zusammenprall dieser zwei Welten, wenn da ein Oberammergauer an der Alster inszeniert?

Total spannend ist das. Und: Es gibt gar keinen Zusammenprall. Wenn ich mir allein die Sänger der Zerbinetta-Lover anschau’: ein Ukrainer, ein Rumäne, ein Koreaner. Am Klavier sitzt ein Israeli oder ein Franzose. Des san ja gar koane Hamburger!

Das Gespräch führte: Markus Thiel

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