Den Sturm entfachen

Bayerisches Staatsballett 2007/08: - Das Ballettomanen-Herz schlug in dieser Klassik-satten Saison des Bayerischen Staatsballetts ganz besonders freudig. Ballettchef Ivan Liska hat Marius Petipas "Le Corsaire" von 1899 so gut wie originalgetreu neu aufgelegt. Und jetzt wird sein "Petipa-Jahr" noch gekrönt mit Balletten dieses großen Meisters, und zwar direkt aus dessen illustren Wirkstätten: Aus St. Petersburg kommt das Mariinsky-Ballett ins Prinzregententheater mit "Giselle" (28.-30.3.) und einem Gala-Abend (31. 3.). In der Ballettwoche im Nationaltheater folgt dann das Moskauer Bolschoi mit "Don Quixote" (3.-5. 5.). So viele russische Etoiles in gedrängtem Zeitraum, das wird sich so schnell nicht wiederholen.

Ja, 2006/2007 wird als erfolgreich in die Staatsballett-Annalen eingehen. Ivan Liska hat sichtlich seine "doppelte Linie" gefunden. Gelassen sieht er seiner zehnten Saison entgegen. Und die wird wieder mehr Modernes/ Experimentelles bringen. Los geht es zum Saison-Auftakt 2007/08 mit dem Shakespeare-Ballett "Der Sturm" von Jörg Mannes: Der derzeitige Ballettdirektor am Staatstheater Hannover, aber als Choreograph ein Global Player zwischen Düsseldorf, Paris, Montreal und Moskau, ist hierorts noch zu entdecken. Martin Schläpfer dagegen ist ein Begriff. Und dass der höchst kreative und erfolgreiche Schläpfer, der sich bis jetzt ganz auf sein Ballett Mainz konzentrierte, zum ersten Mal "fremdgeht", darauf ist die Direktion besonders stolz.

Musikalisch sehen die Pläne vielversprechend aus: einmal für Jörg Mannes‘ "Sturm" die ungewöhnliche Kombination von Bruckner, Sibelius und Tschaikowsky. Dirigieren wird der von Kent Nagano empfohlene David Robert Coleman. Spannend auch Schläpfers Wahl von Sofia Gubaidulina, die sich auf eine Vertanzung ihres "Konzerts für Viola und Orchester" freut.

Interessant sicher auch für den traditionsbewussten Zuschauer zu überprüfen, wie MacMillans choreographische Interpretation von Mahlers "Lied von der Erde" ­ übrigens 1907/09 für München komponiert ­ heute bei einer ganz neuen Generation von Tänzern aussieht. Bei der Stuttgarter Uraufführung 1965 hießen die Interpreten immerhin Marcia Haydée und Ray Barra. Etwas von dieser Ära kehrt jetzt mit der Wiederaufnahme von John Crankos Meisterwerk "Onegin" (23. 9.) auf die Nationaltheaterbühne zurück. Da wird es spannende Neubesetzungen geben, vielleicht auch mit Roberta Fernandes und Tigran Mikayelyan, die zu Ersten Solisten ernannt wurden. Wiederaufnahme auch des gemischten Abends mit Balanchine, Forsythe und Hans van Manen.

Die Premieren

"Chamber Symphony" von Lucinda Childs und "Das Lied von der Erde" von Kenneth MacMillan, 28. 4. 07."Der Sturm", Uraufführung von Jörg Mannes, 8. 12. 2007.Gemischter Dreiteiler: neues Werk von Martin Schläpfer, "Adagio Hammerklavier" (1973) von Hans van Manen und N.N., 12. 4. 2008.

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