Sturmmusik

- Manchmal erscheint es einem fast so, als sei Placido Domingo mit seiner sängerischen Weltkarriere und den Aufgaben als künstlerischer Leiter gleich zweier Opernhäuser noch immer nicht ausgelastet. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass der umtriebige Künstler noch Zeit für die Arbeit mit dem Youth Orchestra of the Americas findet.

Einem aus 22 Nationen des amerikanischen Kontinents rekrutieren Ensemble, das sich nun unter der Leitung seines "Artistic Advisors" erstmals in der Münchner Philharmonie vorstellte.

Die Sänger ins rechte Licht gerückt

Als Dirigent ist Domingo bislang vor allem an den großen Opernhäusern in Erscheinung getreten. Und so mag es kaum verwundern, dass auch Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" mit der Europa-Chor-Akademie weniger nach sakraler Trauermusik klang, sondern vielmehr nach einem bislang verschollenen letzten Musikdrama des italienischen Komponisten. Und dies nicht nur im mehrfach wiederkehrenden "Dies Irae", das deutliche Anklänge an die Sturmmusik aus "Otello" erkennen ließ.

Von den ursprünglich angekündigten Solisten war bis zum Abend des Konzerts einzig noch Ildar Abdrazakov übrig geblieben, dessen dunkler, samtweicher Bass dem "Confutatis" besonderen Nachdruck verlieh, sich jedoch ebenso trefflich in die Ensembles eingliederte.

An diese Leistung konnte Marco Berti mit seinem durchdringenden, etwas eng geführten Tenor nur bedingt anknüpfen. Und auch Cristina Gallardo-Domas war bereits in besserer Form zu erleben als hier, wo das mit flackerndem Sopran beschworene Ewige Licht im "Libera me" eher als mattes Leuchten erschien. Frisch und unverbraucht dagegen der facettenreiche Mezzo von Fredrika Brillembourg, die in ihren Soli markante Akzente setzte. Sie konnte sich dabei ebenso wie ihre Kollegen voll und ganz auf den Mann am Pult verlassen. Denn trotz aufbrausender Dramatik verstand es Placido Domingo, seine Sänger stets ins rechte Licht zu rücken und mit ihnen zu atmen. Doch das dürfte nun wirklich niemand überrascht haben.

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