Subtile Unannehmlichkeiten

- Großzügig und tolerant sind diese Eltern. Mehr als manch andere müssen sie das sein: Etwa, wenn ihre Tochter - kein kleines Kind mehr - sich neben fremde Leute hockt und pinkelt. Noch bevor der erste Satz in Lukas Bärfuss' "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern" im Münchner Akademietheater gesprochen ist, stimmt diese Szene auf all die unappetitlichen Seiten menschlichen Zusammenlebens ein, die in dieser Inszenierung - weder ordinär, noch penetrant - ins Bühnenlicht rücken.

Dora ist geistig zurückgeblieben. In ihrer Naivität wird sie zum Spiegel der Welt, die sich liberal gibt. Wie der Umgang mit Behinderten die Verklemmtheiten dieser so aufgeklärten Gesellschaft enthüllt, ist hier das Thema. Ulf Goerke aus dem Studiengang Regie der Bayerischen Theaterakademie hat das - leider nur für zwei Vorstellungen - mit viel Gefühl für die subtilen Unannehmlichkeiten herausgearbeitet. Für die Bühne (zusammen mit Peter Schultze) genügten ihm drei Wände und einige Filzwürfel.<BR><BR>Zum Gelingen trug besonders Sandra Gerling als Dora bei: Sie gab diese verletzliche Frau nicht nur konsequent und mit liebevoller Komik. Sondern erspielte ihr - durch eine flüssiger werdende Sprache, ein beherzteres Auftreten - eine allmähliche Entwicklung.<BR>

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