Die subtilen Höhen des Boulevards

- Weil Gattin Cecile ihrem Jean-Franç¸ois, Filmregisseur und gerade wieder an der Cô^te d'Azur, nachfährt, macht der Schwerenöter aus der Villa seiner aktuellen Geliebten kurzerhand "Hotel Mimosa". Mit zwangsweise weiteren Hotelgästen kommt es zu einigen Verwicklungen. Ein typischer Boulevard-Plot, den Karin Boyd jedoch weit weg von jeglicher Knatter-Routine in die subtilen Höhen eines lustbar-kultivierten Vaudeville hebt. Autor Pierre Chesnot, käme er mal in München vorbei, würde ihr und ihren Schauspielern garantiert französisch komödiantische Leichtigkeit attestieren. Euphorischer Applaus (Komödie am Max II).

<P>Boulevard ist Neuland für Boyd. Wie gut! Ganz frisch ist sie an diesen Text gegangen, mit feiner weiblicher Intuition. Und die fängt schon bei der Besetzung an. Da stimmt einfach die Chemie, bis hin zur Ausstatterin Monika Cleres. Vorhang auf, pastellig helles mediterranes Interieur im 50er-Stil und im Zentrum, eng-schmachtend hingegossen in Astaire & Rogers-Pose: das hinreißend attraktiv-charmante Fremdgeher-Pärchen Sebastian Goder und Marie Munz. Und so eine tänzerische Beschwingheit pulsiert durch den ganzen Abend. Auch in den Dialogen. Mal kein Ping-Pong, sondern wunderbar stimmig: Sprechrhythmus natur, ganz den jeweiligen Chesnot-Typen entsprechend, die Boyd ja fast schon zu Charakteren adelt.<BR><BR>Während Marie Munz, die frisch gekürte Hotelbesitzerin Magali, mit improvisierten Menüs hin- und her-hechelt, kreuzen unverhofft auf und immer wieder urkomisch durchs Bild: Susanne Odermatt und Manuel Löwensberg als Hochzeitsreise-Heidi & Hansi aus der Schweiz, Petra Perles deftig bayerische Paquerette nebst zahlenden Freiern, Sibylle Bertsch, ob mangelnder Standfestigkeit ihres Weekend-Gigolos Adrian Scherchel so blendend melodramatisch enttäuscht, Herman van Ulzen, der Selbstmord-süchtige Jammerkloß, und schließlich Michael Seyfried als Magalis Kapitäns-Gatte, mit dem Aufdeckung droht.<BR>Aber im Tumult der durcheinander wirbelnden Sehnsüchte, Frustrationen und Fragen, läuft Jean-Franç¸ois zu Lügen-Hochform auf: Kinderspiel für einen, der "sein Leben lang Serien schreibt". Wie Goder der elegant-souveränen Gattin von Ulla Wagener eine ordinäre Sardine als Haute Cuisine verkauft, dem Kapitän die Hotelgäste als seine Film-Crew und den Gästen wiederum den Kapitän als psychisch labil, das muss man sich ansehen.</P><P>Karten: 089 /22 67 65 <BR></P><P> </P>

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