Auf der Suche nach den Perlen

- Viel Rummel bei Rowohlt, dazu Menschen mit Fernsehkamera im Anschlag. Aber weit und breit nicht zu sehen: die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin. Ob Elfriede Jelinek kommt? Die Verlagsmitarbeiter wissen es nicht, so die Information am frühen Nachmittag. Anderswo tritt gerade Dolly Buster auf, doch nur ein ganz kleiner Pulk bildet sich um sie. Die Hochkonjunktur der Reißer scheint gerade abzuflauen.

Entsprechend reagieren die Verlage: Nur wenige Titel springen einen an. Weder "Mensch, Elber!", die Biografie des, so der Verlag, "beliebtesten Ausländers der Bundesliga", Giovane Elber. Noch "der neue Michael Moore". Er liegt auf der Rückseite des Regals bei Piper. Vielleicht auch, weil es sich um ein älteres Buch handelt, das Begleitbuch "Hurra Amerika!" zur Kultsendung "TV Nation", das jetzt auf Deutsch vorliegt.<BR><BR>Aber auch die Perlen unter den Neuerscheinungen, man muss sie fast ein wenig suchen. Da hat etwa Claudia Ott die Erzählungen "1001 Nacht" bei C.H. Beck neu übersetzt. Zum ersten Mal das "Original", so wirbt jedenfalls der Verlag. "Das ist unglücklich ausgedrückt", sagt Ott. "Es gibt ,1001 Nacht nicht als Original. Es ist ein offenes Werk und wurde lange Zeit mündlich überliefert." Was bisher ins Deutsche übertragen wurde, war die französische Übersetzung von Antoine Galland, der wiederum seine arabische Vorlage kürzte und mit fremden Texten erweiterte. Für Bibliophile handelt es sich bei der Neuübersetzung also um eine kleine Sensation. Ob sie auch einen Erkenntnisgewinn brachte? "Warten Sie ein paar Jahre!", kündigt Ott geheimnisvoll an.<BR><BR>Warten muss hingegen niemand mehr auf die Schiller-Editionen zum Todestag des Dichters, der sich erst 2005 zum 200. Mal jährt. Noch druckfrisch etwa ist die neu kommentierte Gesamtausgabe in fünf Bänden bei dtv. ". . . . soll das Werk den Meister loben", zu jedem Anlass gibt es den passenden Schiller-Satz, und schnell findet er sich im soeben erschienenen "Kleinen Lexikon der Schiller-Zitate". Bei dtv gibt es auch noch "Möglichst Schiller", ein illustriertes Lesebuch für Jugendliche. Bei Hanser hat Rüdiger Safranski dessen Biografie veröffentlicht: "Schiller oder die Erfindung des Idealismus". Und bei Suhrkamp kann sich der Fan in Schillers Welt einarbeiten: Was der Dichter am Weihnachtstag 1803 tat oder wann er seine künftige Frau kennenlernte, erzählt "Die Schiller Chronik". <BR><BR>Bei allem Gedenken sollte jedoch nicht eine andere Gesamtausgabe übersehen werden, derer sich der Diogenes Verlag rühmen kann: Er hat in zehn Bänden das Werk Alfred Anderschs erstmals textkritisch und kommentiert veröffentlicht.<BR><BR>Leider auch nur eher zufällig stößt der Messebesucher bei der Deutschen Grammophon auf ein Schatzkästlein: "Gustaf Gründgens. Das komplette Schallarchiv" auf 20 CDs, von den Theaterstücken bis zu den Chansons. Schade, dass bei der Messe nicht einmal hineinzuhören ist. Vorteil der Bücher: Reinblättern geht immer. Ob man ungläubig ein Buch von Mutter Beimer, Verzeihung: Marie-Luise Marjan in die Hand nimmt oder das Leselust erzeugende "Reclam Buch der deutschen Literatur" mit seinen Querverweisen zu Zeitgeschichte oder Theateraufführungen. Oder so exotische Titel wie "Anleitung zu der natürlichsten und leichtesten Art Pferde abzurichten" aus der Reihe "Documenta Hippologica" . . .<BR><BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Der König ist tot, es lebe der König! Was Elvis Presley zu Lebzeiten nie schaffte, nämlich ein Konzert in München zu geben, das holte er jetzt nach: die Konzertkritik …
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Zum neunten Mal bietet der Münchner Merkur in Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Konzertabo an. Vier hochkarätig besetzte Abende …
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“
Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt steht vor dem härtesten Brocken seiner Karriere: Am Sonntag debütiert er als Tannhäuser - dies in einer Neuproduktion an der Bayerischen …
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“

Kommentare