Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Suchender Löwe

- Es war lange still um Ivo Pogorelich, der 1980 durch sein spektakuläres Ausscheiden beim Warschauer Chopin-Wettbewerb weltberühmt wurde. In den Achtzigern spaltete er Publikum und Kritik mit exzentrischen, wagemutigen Interpretationen und durch seinen dandyhaften Habitus. In den Neunzigern schien er umzudenken: Wichtig wurden Benefizaktionen und die Förderung junger Musiker. Pogorelich gründete Musikwettbewerbe und Festivals, engagierte sich in Ex-Jugoslawien und wurde UNESCO-Botschafter.

Nun kehrte er nach Jahren der Zurückgezogenheit im Rahmen seiner Deutschland-Tournee auf das Podium der nur zur zwei Dritteln verkauften Münchner Philharmonie zurück. Doch der einstige exzentrische Beau, der so elegant CD-Cover und Modemagazine zierte, hat sich auch äußerlich gewandelt. Langsam, wie von schwerer Last gebeugt, betritt er irgendwie verhuscht die Bühne. Vom glamourösen Tastenlöwen mit der dunklen Haarpracht ist nichts mehr übrig. Kahlköpfig ist der inzwischen 46-jährige Pogorelich, und man muss zweimal hinsehen, um sich zu vergewissern, dass er es auch wirklich ist. Er wirkt enorm gealtert, seine Schicksalsschläge haben ihn im letzten Jahrzehnt geprägt.<BR><BR>Dann versenkt er sich bei diffuser Bühnenbeleuchtung mit Chopins E-Dur Nocturne Nr. 2 op. 62 in den eigenwilligen, sperrigen Dialog mit dem Flügel. Er bleibt im ersten Teil bei Chopin: Fast ohne Zäsur folgen bis zur Pause das Es-Dur Nocturne op. 55/ II und die Sonate Nr. 3 h-moll op. 58. Und mit den folgenden großdimensionierten, spätromantischen Virtuosenstücken - Alexander Skrijabins Sonate Nr. 4 in Fis-Dur op. 30 und Sergej Rachmaninows b-moll Sonate op. 36 - huldigt er ebenfalls seinen "Hausgöttern".<BR><BR>Ivo Pogorelich kann man nicht nach herkömmlichen Kriterien bewerten. Nach wie vor stiftet die Gegensätzlichkeit seines Spiels Verwirrung. Es hat etwas Suchendes. Leichten Tönen misstraut er, spielt zerrissen, fast manisch depressiv, schlägt manchmal messerscharfe Klänge an und verliert sich teilweise in einer meditativen Auseinandersetzung mit dem Instrument. Pogorelich ist aufs Podium zurückgekehrt, introvertierter, aber noch immer provozierend.<P><BR> </P>

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