Süffige Mischung

- Simply Red ist eine dieser Bands, die seit jeher von der Kritik belächelt, vom Publikum aber geliebt werden. Warum das so ist, konnte man bei ihrem Konzert in München studieren: Mick Hucknall, musikalischer Kopf von Simply Red, versteht es außerordentlich geschickt, Pop mit Jazz- und Soul-Elementen zu einer süffigen Mischung anzurühren. Puristen schütteln sich, der gemeine Musikfreund tanzt dazu. Und so war es auch in der nur halb gefüllten Olympiahalle.

<P>Von den ersten Takten an wogt das begeisterte Publikum zu den eingängigen und tanzbaren Hits. Die exzellente Band um Mick Hucknall haucht den Songs, die auf den CDs meist etwas blutleer wirken, mit Spielfreude und makellosen Arrangements Leben ein. Die Gebrüder Steve (am Bass) und Pete Lewinson (am Schlagzeug) sorgen als swingende Rhythmusgruppe für den soliden Hintergrund, vor dem die anderen gekonnt ihre Akzente setzen können. </P><P>Dabei überzeugt neben der vierköpfigen Bläser-Gruppe vor allem Gitarrist Kenji Suzuki, der mit virtuosen Soli etwas Härte zu dem ansonsten verhaltenen Sound beisteuert. Das Kapital der Band ist aber vor allem ihr Chef Mick Hucknall. Wie jeder geborene Entertainer ist er ein unersättlicher Narziss, der keine Ruhe gibt, ehe nicht jeder in der Halle mittanzt oder wenigstens singt. Er begnügt sich nicht damit, nur die - in ausreichender Anzahl vorhandenen - Hits abzuspulen, sondern strampelt sich ab, bis er nach Belieben die Stimmung kontrolliert.</P><P>Das funktioniert freilich nur, weil Hucknall mit einer wirklich faszinierenden Stimme gesegnet ist, die live eher noch besser klingt als auf seinen Platten. Am eindruckvollsten wirkt er, wenn er seinen Gesang exponiert und beispielsweise zu dezenter Begleitung mit viel Seele in der Stimme "Holding back the years" singt, jene Ballade, die ihn 1985 bekannt machte. Da sieht man es ihm sogar nach, wenn er nach nur 100 Minuten "Gute Nacht" sagt.<BR><BR><BR></P>

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