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Ballerina war ursprünglich ihr Traum: Sumi Hwang (26) studiert derzeit Gesang in München.

Sumi Hwang: Am liebsten die Mimi

München - Nach dem zweiten Preis beim ARD-Wettbewerb ist die südkoreanische Sopranistin Sumi Hwang auf dem Sprung zur großen Karriere. Jetzt kommt sie nach München.

Ein besseres Geburtstagsgeschenk für Papa? Kaum denkbar ist das. Und nur zu verständlich, dass ihm die Tränen in die Augen schossen, als er eine begeisterte Sumi Hwang am Telefon hatte. Als Beste hatte sie gerade den Münchner ARD-Wettbewerb abgeschlossen: Zweiter Platz, ein erster wurde nicht vergeben, das ist nicht nur ein Orden in der Klassikwelt, das eröffnet auch gute Karriereaussichten.

Einige Wochen sind seitdem ins Land gegangen. Arbeitsreiche Wochen vor allem. Sumi Hwang, Sopranistin aus Südkorea, hat eine Opernproduktion der Bayerischen Theaterakademie hinter und ein großes Konzert im Herkulessaal vor sich, am kommenden Sonntag Dvořáks Requiem. Konzert? Liederabend? Opernbühne? Am besten alles: So ganz will sich die 26-jährige Studentin der Münchner Musikhochschule da nicht festlegen. Auch nicht, ob’s denn nun das lyrische oder eher das Koloraturfach sein soll.

Susanna in Mozarts „Figaro“, Adina in Donizettis „Liebestrank“, das sind Rollen von „jungen, hübschen Mädchen“, in denen sich Sumi Hwang sieht. Am liebsten aber wäre sie Puccinis Mimi. „Die ,Bohème‘ war die erste Oper, die ich gesehen habe, das war schockierend.“ Viel deutet freilich darauf hin, dass sich hier eine Karriere als zunächst lyrischer, dann dramatischer Koloratursopran anbahnt: In der Akademie-Produktion dominierte Sumi Hwang den Donizetti-Einakter „I pazzi per progetto“. Die Parodie von „Lucia di Lammermoor“ war hier nicht nur Gag – sondern auch Prognose.

Die Südkoreanerin hat sich mittlerweile mit der deutschen Sprache vertraut gemacht. Erst in Berlin, wo sie fünf Monate lang lebte, dann in München, wo sie seit Oktober 2011 wohnt und studiert. Dabei hatte sie anfangs gar nicht an eine Gesangskarriere gedacht. Ballerina, das wär’s gewesen. Sechs Jahre lang nahm Sumi Hwang Ballettunterricht. Parallel dazu war sie im Jugendchor aktiv, bis der Dirigent auf sie zutrat: Sie singe doch besser, als sie tanze; diese Stimme müsse einfach ausgebildet werden. Die Folge: großes Erstaunen – „und eine traurige Geschichte“, wie Sumi Hwang sagt. Doch gleichzeitig lacht sie los. „Ich habe sofort zugenommen. Kein Training mehr. Das ist nicht lustig!“ Nun, solche „Auswirkungen“ sind längst behoben. Die neue Aufgabe nahm sie jedenfalls konsequent in Angriff und wurde dabei von den Eltern unterstützt. Die arbeiten zwar nicht in musischen Berufen (der Vater ist Lehrer, die Mutter Hausfrau), widmen sich der Musik aber in ihrer Freizeit. Papa spielt Saxophon, die Mama Geige, außerdem singt sie im Chor, die Schwester greift regelmäßig zur Violine.

Von 2004 bis 2011 studierte Sumi Hwang in Seoul und wollte für ein Aufbaustudium dann nach Deutschland ziehen. Wie so viele südkoreanische Sängerinnen und Sänger übrigens, was sich nicht nur an den Teilnehmerlisten der Wettbewerbe ablesen lässt, sondern inzwischen auch an den Ensemble-Verzeichnissen der Opernhäuser. Bestens ausgebildet sind diese jungen asiatischen Solisten, ausgestattet oft nicht nur mit attraktivem Stimm-Material, sondern – was entscheidender ist – mit musterhafter Technik.

„München ist die beste Stadt für junge Sänger“, sagt Sumi Hwang. Weil es hier zwei Opernhäuser gibt und einige wichtige Agenturen, besonders aber, weil sich in dieser großen Konzertszene immer ein gutes Engagement finden lässt. So wie eben am kommenden Sonntag beim Münchner Motettenchor.

Einige Preise hat die Südkoreanerin neben dem ARD-Wettbewerb eingeheimst. Was nun noch fehlt, das ist eine Ensemblemitgliedschaft, besonders aber eine einflussreiche Agentur. Einige Vorsingen sind also in nächster Zeit geplant. Aber so locker und bestimmt, wie Sumi Hwang davon erzählt, muss man um die Sopranistin nicht fürchten. „Beim ARD-Wettbewerb war ich in den ersten beiden Durchgängen richtig nervös. Dann aber, ab dem Semifinale, als das Orchester dazu kam, hat mir das richtig Spaß gemacht. Keine Prüfungsangst, ich habe mich gefühlt wie in einem guten Konzert.“

Markus Thiel

Konzert

am 25. 11. im Herkulessaal: Dvořáks Requiem mit dem Münchner Motettenchor, Telefon 089/ 54 81 81 81.

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