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Susanne Uhlen inszeniert und spielt zugleich wieder an der Komödie.

Uhlen: Komödie heißt nicht Schenkelklopf-Humor

München - Neue Komödie im Bayerischen Hof: Schauspielerin Susanne Uhlen spricht mit dem Münchner Merkur über „Warte bis es dunkel wird“ und ihre Karriere seit Kindertagen. Das Interview zur Premiere:

Der Großvater Augustin Schreck, Opernsänger, die Mutter Gisela Uhlen und der Vater Wolfgang Kieling berühmte Schauspieler auf der Bühne, in Film und Fernsehen – und genauso die Tochter Susanne Uhlen. Seit Neuestem inszeniert Susanne Uhlen auch. „Kaktusblüte“, ihre erste Regie, mit ihr in der Titelrolle, war 2010 in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof ein „Doppel-Erfolg“. Der könnte sich jetzt am selben Ort wiederholen: In Frederick Knotts Thriller „Warte bis es dunkel wird“ (1966) spielt sie eine von Gangstern überfallene blinde Frau (Audrey Hepburns Rolle in der Verfilmung von 1967). Und unter ihrem Mädchennamen Susanne Kieling zeichnet sie für die Regie verantwortlich.

Frau Uhlen, Sie haben alles gespielt, von Shakespeares Julia und Goethes Stella bis zu Boulevard und TV-Krimiserien wie „Der Alte“ und „Ein Fall für zwei“. Warum nun Regie?

Ich habe jetzt die Geduld, die innere Ruhe dafür. Hinzu kam bei „Kaktusblüte“, dass meine Mutter das Stück vor vielen, vielen Jahren gespielt hat. Und ich hatte ein so genaues Bild vor mir, dass ich mir diese Erst-Regie zugetraut habe. Es hat dann so viel Spaß gemacht, dass ich am liebsten nur noch inszenieren möchte.

Hat frau es als Regisseurin nicht schwerer?

Bei meiner Besetzung, Pascal Breuer, Sebastian Goder und Torsten Münchow, die hier schon als eingespieltes Dreiergespann bestens bekannt sind, bin ich eher die Henne im Korb. Sie sind nicht nur charmante Kollegen, sondern machen sich ernsthaft Gedanken über ihre Figuren, kommen immer wieder mit neuen Ideen. Ich habe schon gesagt: „Wir machen hier einen Theater-Workshop.“ Das ist natürlich wunderbar, wenn die Arbeit so befruchtend ist.

Breuer, Goder und Münchow spielen drei Drogendealer, die eine mit Heroin gefüllte Puppe im Haus von Sam und Susy Hendrix vermuten. Sie locken Sam aus dem Haus, um mit der blinden Susy leichtes Spiel zu haben. Es ist also keine Komödie.

„Komödie“ heißt für mich nicht nur Schenkelklopf-Humor, sondern leichtere Kost ganz allgemein. Und da ist ein Thriller absolut vertretbar. Hier ist eine Frau, die vor einem Jahr erblindete und erst einmal im Alltag zurecht kommen muss, plötzlich mit drei Gangstern konfrontiert. Und wie sie in dieser Extrem-Situation reagiert, welche Sinne sie einsetzt, ganz andere eben als die Kriminellen, das ist hochspannend zu beobachten.

Mütter und Töchter im Schauspielberuf, auch ein spannendes Thema. Wie war das Verhältnis zu Ihrer Mutter?

Bei uns war es extrem problematisch. Ich Steinbock, Aszendent Stier, meine Mutter Stier, Aszendent Steinbock – zwei Hornviecher. Sie können sich vorstellen, wie es da gekracht hat. Zumal sie so ein richtiges Theatertier war, was ich nie geworden bin. Sie hat für den Beruf gelebt. Ich habe gearbeitet, um zu leben. Das war immer unser Streitthema. Ja, wir haben uns gegenseitig getriezt. Und es gab, trotz des Altersunterschieds auch ein Wer-hat-mehr-zu-tun-Konkurrenzverhalten. Das wurde manchmal sehr offen ausgetragen. Aber wir sind ja beide älter und dann doch gelassener geworden.

Haben Sie nicht auch von ihr gelernt?

Unendlich viel, auch wenn ich das viele Jahrzehnte heruntergespielt habe. Ich habe ihr Talent geerbt, genauso wie das Talent meines Vaters Wolfgang Kieling. Er war ein toller Schauspieler, hat mit großen Leuten wie Hitchcock gedreht... Meine Mutter hat mich immer ins Theater mitgenommen.  Ich habe sie beim Rollenlernen abgehört. Habe hinter der Bühne gesessen und dann im Zuschauerraum gebibbert, weil ich wusste, an welchen Textstellen sie Probleme hatte... Ich bin wahrscheinlich realistischer an die Schauspielerei herangegangen, weil ich das Schöne, aber auch die Schwierigkeiten, die Existenzängste, das ganze Leid in diesem Beruf schon als Kind erfahren habe.

Ihre erste Filmrolle spielten sie 1965/66 in dem psychologisch angehauchten Krimi „Der Mörder mit dem Seidenschal“. Adrian Hoven, ein beliebter Schauspieler, realisierte damit seinen ersten Film als Produzent, Autor und Regisseur.

Ach ja, Adrian Hoven. Ich war gerade zehn Jahre alt und himmelte ihn an (lacht bei der Erinnerung). Er war ja ein Bild von einem Mann. Und ein Charmeur. Das gibt es ja heute gar nicht mehr.

Sie haben mit vielen bekannten, mit bedeutenden Schauspielern zusammengearbeitet...

Mit Ernst Schröder (1915 bis 1994, einer der großen Charakterdarsteller des deutschen Theaters, Anm. der Red.), ein richtiger Löwe von einem Mann, haben wir Molières „Schule der Frauen“ gemacht. Als gestandener Schauspieler hat er sich gesagt: Wollen mal sehen, was die Kleine kann – ich war damals so um die Zwanzig – und hat versucht, mich an die Wand zu spielen. Ich habe aber zurückgekämpft. Schließlich hat er mich mit „Mädchen, du kannst was“ in den Arm genommen. Was mich sehr stolz gemacht hat.

Und wer war maßgebend unter all den Regisseuren?

Ingmar Bergman sicherlich. Das war zu Bergmans Zeit am Münchner Residenztheater, als ich dort engagiert war. Vor allem aber Helmut Käutner, unter dem ich meine ersten Fernsehproduktionen gemacht habe. Wenn man als junger Mensch immer hochgelobt wird: „Du machst das ganz toll, Du bist unser kleiner Star“, da glaubt man das irgendwann selber. Käutner sagte damals ganz drastisch: „Weißt Du Mädchen, auch Du bist austauschbar.“ Er hat mich wieder auf den Boden geholt – und das hat mich künstlerisch weitergebracht.

War bei dieser dichten Karriere Zeit für Kinder?

Ich hab zwei Söhne. Der eine ist 23, hat Grafikdesign studiert und macht sich jetzt in Berlin gerade selbstständig. Der andere, 12 Jahre älter, ist Doktor der Philosophie hier an der LMU. Und mit ihm treffe ich mich jetzt gleich.

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

Informationen: Premiere ist am 7. 11., 20 Uhr; außer den Feiertagen täglich bis 5. 1. 2013, So. 15 Uhr oder 18 Uhr. Karten unter der Telefonnummer 089/ 29 16 16 33.

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