Sex und Sushi

- Hebbels "Judith" (1840), ein frühes Werk, aber schon ein genialer Wurf von psychologischer Tiefe: Bei ihm tötet die biblische Judith Holofernes nicht zur Errettung ihres Volkes, sondern um ihrer Selbstachtung willen. Die für den assyrischen Feldherrn entbrannte Begierde wird für sie zur Schuld. Ein Brocken für den, der das auf die Bühne bringen will. Ramin Anaraki aus der Regie-Klasse der Otto-Falckenberg-Schule hat es jetzt in einer auf die beiden Protagonisten konzentrierten Strichfassung fürs Münchner pathos transport gewagt.

Hebbel selbst sah die Aufführbarkeit abhängig von der Qualität der Schauspieler. Die ist hier mit Angela Fink und Arthur Klemt auf hohem Niveau gegeben. Von den Kopfenden einer langen Dinnertafel her tasten sich die beiden zunächst nur mit Blicken ab. Atmosphäre kühl, Business-mäßig. Sex und Sushi, an dem beide schlingen, gehen hier auf die selbe Rechnung. Und diese glatte, gefühlslose Kühle bleibt, auch nach dem Warm-up mit ihren Kurz-Bios: sie, die jungfräulich gebliebene, auf erotische Initiation wartende Witwe; er, der mutterlose, von keiner Frau abhängige Macho.

Wenn bei Hebbel Übermann und Überfrau in einer lodernden gegenseitigen Anziehung in die Katastrophe treiben, ringen bei Anaraki zwei Monaden direkt aus dem Heute um die Macht. Das könnte eine Kritik an der Jungmanager-Generation sein, ist von Fink und Klemt auch gut gespielt. Aber es versprödet und verflacht letztlich diesen Hebbel. Ein Glück, dass selbst der gekürzte Text noch so stark ist, Hebbels Sprache von den beiden Darstellern so exzellent beherrscht wird, dass ein Besuch lohnt (Tel. 089/12111075).

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