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Angela Brower als Dorabella agiert auf eigenem Niveau.

Festspielkritik

Salzburgs GAMU

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Salzburg - Sven-Eric Bechtolf hat den Festspielen den größten anzunehmenden Mozart-Unfall beschert. Lesen Sie hier unsere Kritik zur Wiederaufnahme von „Così fan tutte“.

Drei Jahre ist das her, da war das Belächeln groß. Ein Schauspieler, auch noch in der Salzburger Festspielleitung aktiv, wagt sich an Mozarts drei Da-Ponte-Opern? Ach ja, so das Schulterzucken, wird schon was los sein auf der Bühne. Wenn schon nicht Ambition und Hinterfragen, dann wenigstens Gediegenes. Doch mit jedem Jahr, erst „Così fan tutte“, dann „Don Giovanni“ und 2015 „Le nozze di Figaro“, gefror das Lächeln immer mehr. Sven-Eric Bechtolf, als Rolleninterpret eine Kapazität, scheiterte als Regisseur grandios. In diesem Sommer ist die Trias komplett zu sehen. Und nun, nach Neueinstudierung der „Così“, ist klar: Bechtolf hat Salzburg den GAMU eingebrockt, den größten anzunehmenden Mozart-Unfall.

Die „Così“ wird nun in der Felsenreitschule gezeigt

Was neu ist an der „Così“: der Spielort Felsenreitschule, auch die Szenerie, die Bechtolf, nach Trennung von Marianne und Rolf Glittenberg mit ihren keimfreien Schicki-Lofts, nun selbst besorgte. Was geblieben ist: ein skandalöses Missverständnis. Bechtolf erzählt, als ob Mozart und da Ponte nur auf Schenkelklopfer zielten. Ein herzangreifendes Menschenverstehstück als billiges Rossini-Imitat. Chargen-Alarmstufe rot, kaum kanalisierte Emotion. Die Damen sind hyperventilierende Hysterikerinnen oder Heulsusen, ein Frauenverständnis, das erschreckend tief blicken lässt. Erst im zweiten Akt beruhigt sich das, aber da kommt Bechtolf an der erschütternden Musik (die der Regisseur trotzdem konterkariert) nicht vorbei.

Immerhin: Die riesige Felsenreitschule inklusive Arkaden wird versiert bespielt und mit entrollten Landschaftsparavents geschickt verkleinert. Stumme Gelehrte verfolgen alles. Der „Schule der Liebenden“, wie es im Untertitel heißt, ist das wohl geschuldet, fällt aber nicht weiter ins Gewicht. Alfonso sieht Bechtolf als Zentralfigur, Michael Volle nutzt das für ein raumsprengendes Solo. Er und Angela Brower (Dorabella) operieren auf einem eigenen Niveau. Statt sich an ihren Partien entlang zu singen, sind sie die Einzigen, die jonglieren, mit ihrer Aufgabe zu spielen scheinen. Die Übrigen folgen mit Abstand. Julia Kleiter ist eine damenhafte, stilistisch musterhafte, leicht unterkühlte Fiordiligi, Martina Janková eine herb-aufgekratzte Despina. Alessio Arduini singt einen nicht ganz formatfüllenden Guglielmo mit Raufaserbariton.

Dirigent Ottavio Dantone ist ein Gewinn

Mauro Peter, von Agenturen und Plattenfirma gerade kräftig gefördert, gibt als Ferrando kleine Rätsel auf. Präsenz und Aussehen verraten das Bühnennaturtalent, sein Tenortimbre ist eines der schönsten auf dem aktuellen Markt. Und trotzdem: Die Stimme ist wohl lyrischer, als sich das der Schweizer selbst so denkt. Der Höhe fehlt die Festigkeit, das freie Fluten, kleine Kniffe sind die Folge.

Immerhin ist im Graben Ottavio Dantone, nach Christoph Eschenbachs und Dan Ettingers Mozart-Unfällen, ein Gewinn. Der Italiener ist sozialisiert bei der Alten Musik, drängt dem Hörer und dem Mozarteum-Orchester die Ergebnisse aber nicht auf. In seiner Auslegung kommt Dantone jedenfalls erheblich weiter als Bechtolf. Dass Salzburg durch diese Regie um Jahrzehnte zurückgeworfen wurde, kann man nicht sagen. Die Frage ist vielmehr, beim Blick zurück auf Vergangenes wie Schuh, Rennert, Hampe oder Ponnelle: War Salzburg schon jemals auf diesem Stand?

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