Symbol für Barmherzigkeit

- Er war Kriegsdienstverweigerer, wählte als Mönch die Einsamkeit, bis er auf öffentlichen Druck zum Bischof von Tours erhoben wurde. Doch mit Martin von Tours verbindet man eigentlich nur eine Begebenheit: die Szene, in der er - hoch zu Ross - seinen Mantel zerteilt, um diesen einem frierenden Bettler zu reichen. Eine Szene, an die am heutigen Martinstag wieder gedacht wird.

<P>In seinem klug gegliederten und reich bebilderten Buch geht Roman Mensing zwar auch dieser Legende nach, beleuchtet darüber hinaus aber noch Martins Herkunft, seine Karriere, das historische Umfeld und - das Wichtigste von allem - die Rolle seines "Biografen" Sulpicius Severus. Mensing befasst sich mit Widersprüchen in diesen Erzählungen und bringt den Leser damit auf den neuesten Forschungsstand. Die Mantel-Teilung erscheint dem Autor jedoch plausibel.</P><P>Die wirtschaftliche Situation in Gallien Mitte des vierten Jahrhunderts sei mehr als dürftig gewesen, "Verwüstungen und Plünderungen" durch die Germanen hätten das Land verarmen lassen. Über eines freilich sind sich die Forscher nicht klar: ob Martin tatsächlich seinen Mantel geteilt oder dem Bettler nur das Futter überlassen hat. Was die Bedeutung dieses einzigartigen Symbols für Barmherzigkeit indes nicht schmälern dürfte.Roman Mensing: "Martin von Tours".</P>Patmos Verlag, Düsseldorf, 96 Seiten; 18 Euro.

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