Nachdenken über das Leben: Michael Altinger. Foto: MM

Sympathischer Hundsbua

München - So treten Popstars auf. Und mag Michael Altinger noch so grinsen wie ein geschnitztes Teufelchen, er genießt den Applaus, der ihn im Münchner Lustspielhaus umtost.

Es geht um Selbstreflexion, um die (Zwischen-)Bilanz eines Lebens, doch so in allen Farben schillernd wie der Titel dieses Programms ist auch das Ich, das der Kabarettist aus Wasserburg am Inn hier zelebriert. „Schöner Arsch“ - das kann ein Kompliment sein oder auch eine Beschimpfung.

In dieser Ambivalenz lässt der 41-Jährige seine Figur agieren, wie immer selbstlos begleitet von Martin Julius Faber. Der Blick „vom Ende her“ ist eines der Sujets dieses Abends. Altingers Alter Ego, der Liebling von Strunzenöd, hat mit seinen alten Freunden gebrochen, er umgibt sich nun mit Leuten, die reich sind und etwas zu sagen haben, liest nur noch „gute“ Bücher, sportelt viel und verkürzt, so gut es geht, „überflüssige Momente“. Changierend zwischen Smartie und Ekel, (Pseudo-)Intellektuellem und Chauvi vom Dorf zielt er auf den Zeitgeist, schießt auf moderne (Internet-)Dienstleistungen, In-Gewürze und militante Mamis.

Topfit ist er noch, trotz gespielt larmoyanter „Weißt Du noch?“-Sehnsucht nach der Vergangenheit, der guten alten Zeit. Kaum zu fassen, in welchem Tempo Altinger seine (Running) Gags heraushaut, redend und singend. Auf nichts kann man sich verlassen in dieser mit lauter, rauer Stimme und deftigem Dialekt dargebotenen Performance. Was gerade noch wie zarte Liebeslyrik zu schweben beginnt, stürzt sogleich als Gaga-Wortklumpen zu Boden.

Michael Altinger ist ein cleveres Chamäleon, auch in eigener Sache, virtuos wechselt er die Rollen für den optimalen Effekt. Ein sympathischer Hundsbua, ein miserabliger Held.

Von Rudolf Ogiermann

Weitere Vorstellungen

noch Freitag und Samstag, um 20.30 Uhr, Karten unter Telefon 089/34 49 74.

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