Sympathischer Magier

- Mariss Jansons' Antrittskonzert im Herbst als neuer Chefdirigent war bereits umjubelt. Mit seinem jüngsten Beethoven-Programm im Münchner Herkulessaal bescherten die BR-Symphoniker und Jansons nun erneut Konzertgenuss pur. Verblüffend die Tatsache, welchen Wandel Jansons in relativ kurzer Zeit innerhalb dieses Klangkörpers bewirkt hat. Wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht, präsentieren sich die Musiker von einer bisher eher selten demonstrierten Spielfreude und Vitalität. Mit Jansons steht ein sympathischer Magier am Pult, ein menschlich emotionaler, dessen Energie und Rhythmusgefühl sich niemand entziehen kann.

<P>Er ist Garant für Spannung und Intensität, und er lehrte an diesem Abend eines: Beethoven muss nicht brachial klingen, sondern kann gar im Dreierpack zu einem ungewöhnlichen Raum-Klang-Erlebnis werden. Wunderbar ausgelotet entwickelte Jansons die langsame Einleitung der dritten Leonoren-Ouvertüre in C-Dur op. 72, die in ihrer zunehmend dramatischeren Verdichtung nie brutal klang, vielmehr entstand dabei eine selten zu hörende subtile Farbigkeit. Mit Jewgenij Kissin als Solist in Beethovens viertem Klavierkonzert G-Dur op. 58 war zwar eine gewisse solistische Spiritualität programmiert. </P><P>Dass die Umsetzung dann aber zu einem außergewöhnlich intimen Miteinander werden würde, ließ den Atem stocken. Brillant kontrolliert das feinsinnige, noble Spiel Kissins, der in allen Sätzen beständig murmelnd mit dem Instrument zu dialogisieren schien. In der melancholischen Kantilene des zweiten Satzes litt er seiner Mimik nach gar mit. Das Rondo bot er mit frischer Leichtigkeit, fernab jeder Routine.</P><P>Schließlich zeigte Jansons auch mit Beethovens Fünfter, c-moll op. 67, welche Dynamik im Orchester steckt, zu welchem Facettenreichtum insbesondere die Tutti-Streicher fähig sind. Ein Abend mit ungeheurer Spannkraft, dem zu Recht ein Bravi-Orkan folgte.<BR></P>

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