+
Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt unter der Leitung von Mariss Jansons.

Im Werksviertel am Ostbahnhof

Symphonieorchester des BR stellt kommende Spielzeit vor

  • schließen

München - Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert im Werksviertel seine kommende Spielzeit - und gibt eine Warnung mit.

Noch spielen sie mitten im Auge, dort wo der Sturm ruhig ist. Stellenkürzungen, heftige Sparmaßnahmen, der angstvolle Blick der Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks auf die Umstrukturierung des Senders: Von all dem ist das Symphonieorchester des BR ausgenommen. Vorerst jedenfalls. Es sei der Wille des Intendanten Ulrich Wilhelm gewesen, die Klangkörper des Hauses 2016 zu verschonen, sagte Orchestermanager Nikolaus Pont auf der Saisonvorstellung am Dienstag.

In Sicherheit wiegt man sich beim Edel-Aushängeschild des Senders dennoch nicht. Die Mitarbeiter müssen sich laut Pont an den Spardruck gewöhnen, „relativ viel Geld“ werde allerdings vom Orchester auch selbst kreiert. Das Problem: Der Kartenverkauf könne zum jetzigen Zeitpunkt kaum mehr gesteigert werden, die Kapazitäten von Philharmonie und Herkulessaal seien so gut wie erschöpft. Eine Warnung durch die Blume wollte sich Pont trotzdem gestatten: „Das Symphonieorchester ist ein Erfolgsprodukt des BR und soll es auch bleiben.“

Noch unbelastet von den Begehrlichkeiten der Finanzverantwortlichen stellten die BR-Symphoniker die Spielzeit 2016/ 17 vor. Und dies quasi an historischem Ort – in einem staubigen Rohbau-Raum des Werksviertels, in den gelegentliches Hämmern und Bohren hereindrang, in unmittelbarer Nachbarschaft jenes Grundstücks also, wo der neue Konzertsaal entstehen soll. Beziehungsreich auch eine der beiden großen Tourneen in der kommenden Saison: Das Orchester reist unter anderem nach Paris, Breslau und Kattowitz, dorthin, wo in jüngster Zeit neue Säle entstanden. „Wir nehmen das Beste mit, was wir für unseren neuen Saal brauchen können“, meinte Mariss Jansons. Mit Blick auf die Münchner Situation hofft der Chefdirigent, dass die Bauarbeiten unweit des Ostbahnhofs in zwei Jahren beginnen können. „Wir sollten uns nicht so lange Zeit lassen wie bei der Standortsuche.“

Jansons ist in der nächsten Spielzeit elf statt zehn Wochen in München präsent. Das hängt zusammen mit seinem neu strukturierten Terminkalender, vom Concertgebouw Orchestra in Amsterdam hat er sich bekanntlich verabschiedet. Der 73-Jährige nutzt die Zusatzwoche für eine Uraufführung: Im Rahmen der Musica Viva ist Jansons gewissermaßen Geburtshelfer bei Wolfgang Rihms Requiem. Gleich zwei „Artists in Residence“ wurden 2016/ 17 verpflichtet. Neben dem Pianisten Rudolf Buchbinder ist das der britische Tenor Mark Padmore.

Vorwürfe, das Orchester spiele zu wenig an anderen bayerischen Orten, sollen entkräftet werden: Man gastiert nun auch in Augsburg, Regensburg und Rosenheim. In der Inn-Stadt wird es dabei unter der Leitung Zubin Mehtas ein Benefizkonzert für Flüchtlinge und Helfer geben. Warum das Orchester nicht verstärkt den weißblauen Raum bereist? „Es liegt nicht an uns allein“, sagt Manager Nikolaus Pont. Schließlich müssten jeweils Partner-Veranstalter gefunden werden. Außerdem habe er neulich mit dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly über eine verstärkte Präsenz in Franken gesprochen. Und der habe gemeint: „Na ja, ob das unseren Orchestern so recht ist.“

Das Merkur-Konzert-Abo

in Zusammenarbeit mit den BR-Symphonikern wird in der nächsten Sasison mit vier Konzerten fortgesetzt, der Aufruf erfolgt Ende Juni.

Höhepunkte der kommenden Saison

Mahlers neunte Symphonie mit Mariss Jansons (Oktober 2016);

Schostakowitschs zehnte Symphonie mit Andris Nelsons

(Oktober 2016);

Bruckners „Te Deum“, Schönbergs „Kol Nidre“ und seine

Kammersymphonie sowie Eötvös’ „Speaking Drums“ mit

Zubin Mehta und Martin Grubinger (November 2016);

Verdis „Falstaff“ konzertant mit Daniel Harding (Januar 2017);

Rachmaninows Symphonische Tänze und Mahlers „Kindertotenlieder“ mit Jansons und Waltraud Meier (Januar 2017);

Debussy-Chabrier-Programm mit John Eliot Gardiner

(Februar 2017);

Bachs Johannespassion mit Herbert Blomstedt (März 2017);

Uraufführung von Rihms Requiem mit Jansons (März 2017);

Mozarts Requiem und Schönbergs „Ein Überlebender aus

Warschau“ mit Jansons (Mai 2017);

Bruckners sechste Symphonie mit Bernard Haitink (Mai 2017).

(Weitere Informationen unter www.br-so.com.)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare