Szenen einer Ehe

- Böser US-Kritiker. Einen alten Mann, "der seine Erinnerungen vor sich hinstammelt", hörte er seinerzeit aus dem Stück heraus. Gut, "Die ägyptische Helena" hat's schwer gehabt auf internationalen Bühnen. Schlaraffiges Melos à` la 19. Jahrhundert trifft auf gespreiztes Libretto (Hugo von Hofmannsthal), gebiert haarsträubend schwere Partien, bei denen vor allem dem Tenor kaum ein Stich gelingt: Klarer Fall für die Richard-Strauss-Tage, wo man sich gern jener Werke des Meisters annimmt, die durchs Raster von Publikumszuspruch und Qualitätskontrolle gefallen sind.

<P>Doch das eigentliche Ereignis im Garmisch-Partenkirchener Eisstadion war nicht das Wachküssen der im Archiv vergessenen Schönen, es war das Aufgebot der Gäste. Das Orchester des Essener Aalto-Theaters unter Stefan Soltesz spielte Strauss, wie er sein muss: farbig und prachtvoll auftrumpfend, doch nie in Süffigkeit ertrinkend; Instrumental-Details hervorkitzelnd, ohne sich zu verzetteln; dynamisch zupackend, ohne ins Lärmen zu verfallen. Soltesz pflegte _ trotz des gewaltigen Apparats - einen wendigen, flüssigen, gut austarierten Strauss-Klang, der über Durststrecken hinweghalf _ und den (dank Mikros dezent verstärkten) Sängern zugute kam.</P><P>Mit Luana De Vol wurde die bestmögliche Heroine für die Helena aufgeboten. Ihre Mühelosigkeit und vokale Grandezza hat etwas Triumphierendes, stimmliche Grenzen liegen jedenfalls weit außerhalb der Partie. Hendrik Vonk passte den unbequem gelagerten Menelas geschickt seinem Tenor-Potenzial an. Und Helen Donath befindet sich in einem erstaunlichen Karriereherbst, veredelte die Zauberin Aithra mit silbrigst-süßen Tönen. Aus dem exzellenten Ensemble ragte Peter Bording (Da-ud) heraus, auf dessen Bariton-Qualitäten das Aalto-Theater stolz sein darf.</P><P>Als "szenisches Konzert" war diese Aufführung annonciert, die wenige Tage nach der Essener Premiere für ein maßvoll gefülltes Eisstadion sorgte. Aus der Inszenierung von Gottfried Pilz stammten wohl manch Gänge und Gesten sowie Elemente des schicken Interieurs: Szenen einer Ehe zwischen TV-Gerät, blauer Sitzgruppe und Harfe, überragt von einem muschelförmigen Spiegel. Pilz nahm das verquere Stück nicht ganz ernst, trieb es mit mildem Witz ins Boulevardhafte. Ganz hübsch. Doch dann lieber gleich die Helena-Version à` la Offenbach . . .</P>

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