Szenische Schonkost

- Nachdem man in Erl dieses Jahr bereits Wagners "Ring" in 24 Stunden gemeistert hat, widmeten die Tiroler Festspiele nun auch dem zweiten großen Richard der Musikgeschichte einen Schwerpunkt: Richard Strauss. Neben einer Neuproduktion der "Elektra" bot sich dabei auch die Gelegenheit, Strauss' selten zu hörenden Opernerstling "Guntram" in halbszenischer Form kennenzulernen. Wobei man mit Gianluca Zampieri einen strahlenden Titelhelden aufbieten konnte, der die Partie scheinbar mühelos meisterte.

Halbszenisch wäre wohl auch das treffende Wort, wollte man die von Dirigent Gustav Kuhn selbst inszenierte "Elektra" beschreiben. Denn wirklich viel ereignete sich auch hier nicht auf der schmalen Bühne des Erler Festspielhauses, für die Folko Winter eine ebenso einfache wie praktikable Ausstattung entworfen hatte, die mit nur wenigen Versatzstücken den Schauplatz charakterisierte. Der szenischen Schonkost stand auch diesmal eine opulente musikalische Deutung gegenüber. Nach seinem klanglich transparent musizierten "Ring" malte Gustav Kuhn am Pult diesmal allerdings mit breiterem Pinsel und stürzte sich mit voller Wucht in das Werk. Dass seine Sänger dennoch in keinem Moment gezwungen waren zu forcieren, ist dem Umstand zu danken, dass in Erl das Orchester hinter der Bühne postiert ist, wovon vor allem Cynthia Makris in der Titelrolle profitierte.

Die Amerikanerin bot als Elektra eine fulminante Leistung und gewann der rachsüchtigen Atridentochter immer wieder auch sanfte Zwischentöne ab, wie man sie derzeit wohl nur selten zu hören bekommen dürfte. Doch auch am nötigen Metall für die großen Ausbrüche der Partie fehlt es ihrer Stimme nicht.

Mit leuchtenden Spitzentönen kann auch Elisabeth Maria Wachutka als Chrysothemis aufwarten. Wohingegen die Rolle der Klytämnestra für Martina Tomcic deutlich ein paar Jahre zu früh gekommen scheint. Als nur wenig hilfreich erwies sich dabei auch die bühnenfüllende Schleppe ihres Kostüms, die sie zusätzlich zu behindern schien. Und so hinterließ diese ansonsten so packende Szene zwischen Mutter und Tochter hier leider kaum bleibenden Eindruck. Keine Probleme, sich zu behaupten, hatten der routinierte, aber etwas monochrom singende Franz Hawlata als Orest und Andrew Brunsdon in der Rolle des Aegisth, der seinen kurzen Auftritt mit viel Selbstironie zu gestalten wusste.

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