Die Tafel im Spukschloss

- Wenn das eindeutig Gute auf das eindeutig Böse trifft, handelt es sich meistens um ein Märchen. Etwas, das keiner Zwischentöne bedarf, denn gerade in seiner Einfachheit dient es als gutes oder abschreckendes Beispiel. Auch Suzanne van Lohuizen erzählt in ihrer Bühnenfassung der "Geschichte von Rama" ein Märchen: eines von Habgier und Neid, menschlicher Güte und göttlichen Fügungen, von einem Prinzen, der gegen das Böse kämpft, seine Prinzessin befreit und ein Königreich erbt. In Münchens Schauburg, dem Theater der Jugend, ist diese Geschichte jetzt in einer eigenen Fassung unter der Regie von Peer Boysen zu sehen.

<P>Doch diese Stück-Version scheint nicht mehr an die Einfachheit der Märchen zu glauben. "Zwischen Gut und Böse" lautet deswegen ihr Titel, mit dem sie den Krieg und die Berechnung und sogar das Glück hinterfragt. In der Welt zwischen Gut und Böse steht eine lange Spukschloss-Tafel, die mit Kandelabern und Blumenvasen den Darstellern in ihren vielen Rollen großen Spielraum bietet. Im Hintergrund öffnen und schließen sich knarrend Türen, vor ihnen zwei Frauen mit strengen Gesichtern, in schwarzen hochgeschlossenen Kostümen. Doch auch die Ironie liegt zwischen Gut und Böse: Sie deutscht die wohlklingenden Dschungelbuch-Namen van Lohuizens ein in Friederich, genannt Fritz, Ute, Margarethe und Peter. Sie packt Klaas Schramm und Corinna Beilharz als das blutjunge Prinzenpaar Fritz und Ute in hüft-ausladende, bonbonfarbene Humpty-Dumpty-Kostüme, von wo aus diese mit dümmlich-altklugen Mienen sauertöpfisch Hochzeit begehen und - als Krieg wie Liebe gewonnen sind - ebenso unzufrieden in ihre gemeinsame Zukunft starren. Sie lässt des Prinzen Helfer, den Affen Hanuman (Armin Schlagwein), den Spannungsbogen der Geschichte brechen und konfrontiert so das Märchen immer wieder komödiantisch mit der Realität.</P><P>Das Geschehen auf der Bühne fesselt - obwohl sich der größte Teil der Geschichte in der Fantasie des Zuschauers abspielt. Mit einem Minimum an Wandlung und Effekten kommt Boysens Bühne aus; mit einem maximalen Klanggewitter ächzen, brüllen und trommelwirbeln hinter der Tapete Geräuschemacher Max Bauer und Musiker Yogo Pausch, kontrastierend mit dem leisen Gesang von Darstellerin Lisa Hubner, der konzentriert-tragenden Stimme der erzählenden Sabrina Khalil. Alles wird gut? Peer Boysen verneint diesen Märchen-Ausgang. Der Krieg für das Gute hat viele Tote gefordert, und das Glück des jungen Königspaares ist so vollkommen auch wieder nicht.</P>

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