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Brillen-Denkmal: Fan Jeff Nicholas hat es bei der Absturzstelle des Flugzeugs von Buddy Holly aufgestellt.

Der Tag, an dem die Musik starb

Mit Buddy Holly, Ritchie Valens und J. P. Richardson Jr. kamen drei junge Rock-Talente ums Leben

Sie flohen vor der Kälte – es sollte eine Flucht in den Tod werden. Vor 50 Jahren starben bei einem Flugzeugabsturz mit Buddy Holly, Ritchie Valens und Jiles Perry Richardson Jr., genannt „The Big Bopper“, drei Jung-Stars und Hoffnungsträger der Rockmusik. Die drei waren damals, Anfang des Jahres 1959, auf Tournee durch den Mittleren Westen der USA.

Alle drei waren sie Pioniere des Rock’n’Roll: Von dem 22-jährigen Holly, bürgerlich Charles Hardin Holley, stammten Titel wie „Peggy Sue“, „That’ll Be The Day“ und „Oh Boy!“. Außerdem schuf er die bis heute klassische Formation einer Rock-Band: Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug. Valens, 17 Jahre alt und mexikanischer Abstammung, gilt als Mitinitiator des Rock’n’Roll in einer spanischen Interpretation; Songs wie „Oh Donna“ und „La Bamba“ gehörten zu seinem Repertoire. Das dritte Todesopfer, Richardson Jr., wurde nur „The Big Bopper“ gerufen und 1957 als Radio-DJ in Texas bekannt, weil er fünf Tage, zwei Stunden und acht Minuten lang ununterbrochen Schallplatten aufgelegt hat. Nach dem Erfolg seiner Single „Chantilly Lace“ arbeitete er nicht mehr fürs Radio.

1959 setzte eine Kältewelle dem Dreigestirn auf der „Winter Dance Party“-Tour zu. Der Winter war derart heftig, dass Schlagzeuger Carl Brunch eines Tages gar mit Frostbeulen zum Arzt gebracht werden musste. Zudem war die Heizung des Tourbusses defekt, sodass sich die Musiker, eingehüllt in dicke Decken, eng aneinanderkauerten und mit Alkohol zu wärmen versuchten. Nach einem Auftritt in Clear Lake im US-Bundesstaat Iowa platzte Buddy Holly der Kragen: Für sich und seine Musiker Waylon Jennings und Tommy Allsup mietete er ein viersitziges Sportflugzeug.

Doch kurz vor dem Start stiegen anstelle von Hollys Musikern Valens und Richardson Jr. in die Maschine. Ersterer hatte das Flug-Ticket per Münzwurf gegen Allsup gewonnen; „The Big Bopper“ hatte eine Grippe und überzeugte Jennings, ihm seinen Platz zu überlassen. Bevor die einen das Flugzeug, die anderen den kalten Bus bestiegen, soll Holly zu Jennings gesagt haben: „Ich hoffe, euer Bus friert ein.“ Der konterte: „Und ich hoffe, euer Flugzeug stürzt ab.“ Ein Satz, der Waylon Jennings nach diesem 3. Februar 1959 noch lange beschäftigen sollte. Denn wenige Minuten, nachdem der gerade mal 21 Jahre alte Pilot Roger Peterson in dieser Nacht das rot lackierte Flugzeug gestartet hatte, stürzte die Maschine in ein Maisfeld bei Mason City. Als die Rettungskräfte am Morgen den Unglücksort erreichten, bot sich ein Bild des Grauens aus Wrackteilen, Instrumenten, Kleidern – und den verstümmelten Leichen.

Der 3. Februar 1959 ging als „Urtragödie“ in die Musikgeschichte ein. Das noch junge Rock’n’Roll-Genre hatte mit dem Unglück drei exponierte Talente verloren. Buddy Holly war unter den Toten sicher der bedeutendste, erfolgreichste Musiker und der charismatischste Mensch.

Kein Wunder, dass sich immer wieder Musiker in ihren Liedern mit der Katastrophe auseinandersetzten: Etwa Eddie Cochran, der selbst ein Jahr nach dem Unglück bei einem Autounfall starb, widmete den Musikern seinen Song „Three Stars“. 1971 besang Don McLean in „American Pie“ den 3. Februar 1959 als den „Tag, an dem die Musik starb“. Und anlässlich des 25. Todestags brachte der Glam-Rocker Alvin Stardust 1984 „I Feel Like Buddy Holly“ heraus. Auch deutsche Musiker beschäftigte dieser Tod. Bernd Begemann sang etwa „Buddy, nimm lieber den Bus“. Die Ärzte widmeten „Buddy Hollys Brille“ ein eigenes Lied.

Die markante Lesehilfe wurde übrigens 1988 versteigert und ging für 80 000 Dollar in Hollys Geburtsort Lubbock, wo sie heute in einer Ausstellung zu sehen ist.

von Michael Schleicher

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