Taktstock wird zum Zauberstab

- Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Bobby McFerrin, das Münchner Rundfunkorchester, der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Solisten Letizia Scherrer (Sopran), Annette Seiltgen (Mezzo), Kenneth Tarver (Tenor) und Thomas Mohr (Bariton) in der Münchner Philharmonie miteinander musizierten, war ein schönes Geschenk zum dritten Advent.

Die seit 1997 bestehende Zusammenarbeit zwischen Mulitalent McFerrin und dem BR-Klangkörper hat sich zu einer idealen Verbindung entwickelt. Dabei beeindruckt nicht der gerne propagierte respektlose Umgang McFerrins mit der hehren Klassik; es ist insbesondere seine Gabe, Sogwirkungen zu erzeugen, sofort in die Musik einzutauchen. Die vielen Dirigenten eigene Steif- und Geziertheit geht McFerrin gänzlich ab. Es ist der Musiker in ihm mit seinem fantastischen Rhythmusgefühl, der zu seinen Kollegen einen anderen Zugang hat. <BR><BR>Mit "L`adorazione dei magi`", dem zweiten Teil aus Ottorino Respighis eher selten zu hörendem "Trittico Botticelliano" für kleines Orchester - unendlich empfindsam eröffnet mit einem filigranen Fagott-Solo - begann das Programm. McFerrins Dirigat besteht aus fließenden Bewegungen, deren körperliche Harmonie sich auf das Orchester überträgt. Sein Taktstock wird zum Zauberstab, wenn die Triangel erklingt und sich betörend zart der Streicherklang entfaltet. In Mozarts Motette "Exsultate, Jubilate", für Sopran und Orchester KV 165, berührte Letizia Scherrer mit weicher, glockenreiner Stimme. <BR><BR>Fantastisches Reaktionsvermögen bewies das Orchester während McFerrins anschließenden Improvisationen. Wo haben die Musiker schon die Chance, auch noch zu singen? Bleibt noch Händels "Messias", den man häufig mit atemberaubenden Tempi und brüllenden Chören zu hören bekommt. McFerrin bot hier jedoch mit Chor und Orchester samt einem gut aufeinander abgestimmten Solistenensemble den ersten Teil (Weihnachtsteil) und das "Hallelujah" aus dem zweiten Teil als transparente, ruhig-eindringliche Version. <BR>

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