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Markus Eiche (Wolfram) und Elisabet Strid (Elisabeth) in einer Szene der Wagner-Oper "Tannhäuser" unter der Regie von Intendant Kosminski.

Brutale Szenen

Nazi-"Tannhäuser": Operngäste müssen zum Arzt

Düsseldorf - Dass Oper die Gesundheit bedroht, kommt wohl selten vor. Die „Tannhäuser“-Inszenierung in Düsseldorf war aber für einige Zuschauer wegen der drastischen Nazi-Szenen zu viel.

Etwa ein Dutzend Zuschauer haben nach der umstrittenen „Tannhäuser“-Premiere in Düsseldorf mit Holocaust- und Erschießungsszenen einen Arzt aufgesucht. Das sagte eine Sprecherin der Rheinoper auf Anfrage. Die Wagner-Oper wurde am Donnerstagabend nur noch konzertant, also mit Musik und Gesang, aufgeführt. Intendant Christoph Meyer rechtfertigte vor dem Publikum erneut die kurzfristige Absetzung der drastischen Inszenierung des Regisseurs Burkhard C. Kosminski, der den Venusberg zum Schauplatz blutiger Nazi-Verbrechen gemacht hatte.

„Wir haben mit größter Betroffenheit darauf reagiert, dass Menschen in dieser bewussten Szene das Haus verlassen und sich zum Notarzt begeben haben“, sagte Meyer. „Ich muss die menschliche Gesundheit über die künstlerische Freiheit stellen.“ Er habe zwei Stunden lang mit Regisseur Kosminski telefoniert und um die Veränderung der besonders drastischen Szene gebeten, sagte Meyer. Dabei spielt Tannhäuser einen Nazi mit Hakenkreuzbinde, der eine Familie erschießt. Kosminski aber habe auf seiner künstlerischen Freiheit bestanden. Schon während der Probenzeit seien Szenen entschärft worden, sagte eine Opernsprecherin.

Kosminski zeigt sich im Mannheimer Morgen schockiert über die Absetzung und warf der Oper „eine Art Zensur“ vor. Er habe bei Intendant Meyer den Wunsch geäußert, „in eine sachliche Diskussion einzusteigen und dadurch die in beide Richtungen aufgebrachten Gemüter zu beruhigen“. Doch sein Vorschlag, eine Podiumsdiskussion anzubieten, sei nicht gehört worden. „Da wurde meiner Meinung nach eine große Chance verpasst, konstruktiv zu diskutieren“, sagte Kosminski.

Auch im Freundeskreis der Rheinoper kritisierten einige Mitglieder die kurzfristige Absetzung der Inszenierung nur vier Tage nach der Premiere. Damit werde anderen die Möglichkeit genommen, sich ein eigenes Urteil zu bilden, hieß es. Insgesamt hatten nach Angaben des Freundeskreises 42 Zuschauer den fast voll besetzten Saal, der rund 1300 Gäste fasst, während der Premiere verlassen.

Kosminski stellte klar, „dass ich in keinem Moment die furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus als Selbstzweck oder billiges Mittel, einen Skandal zu provozieren, benutzt habe. Ich will nicht die Opfer verhöhnen. Ich will die Opfer beklagen. Das Kernthema sind Schuld und Erlösung.“ Allen Beteiligten sei klar gewesen, dass diese Inszenierung eine Kontroverse auslösen würde. „Mit einem Skandal hat keiner gerechnet“, sagte der Regisseur.

Die jüdische Gemeinde begrüßte die Entscheidung der Rheinoper. „Es besteht die Gefahr, dass das Leid der Opfer durch eine inflationäre Verwendung von NS-Symbolik bagatellisiert wird. Da muss man sehr sensibel sein“, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Oded Horowitz. Er betonte jedoch, die Gemeinde wolle sich grundsätzlich nicht in künstlerische Belange einmischen. Die jüdische Gemeinde Düsseldorf hatte das Stück „geschmacklos“ genannt, allerdings keine Absetzung der Wagner-Oper gefordert.

dpa

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