Tannhäuser, Kabul und die Drogen

- Weimar/Eisenach - Die Wartburg im thüringischen Eisenach wird am Samstag Schauplatz einer ungewöhnlichen Bearbeitung von Richard Wagners Oper "Tannhäuser". Der Dirigent Christian von Borries führt zum Kunstfest Weimar sein Musiktheaterprojekt "Tannhäuser am Deutschen Hof/Kabul" auf. Er verknüpft darin den Originalschauplatz vom "Tannhäuser" mit dem Restaurant "Deutscher Hof" in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

In der Gaststätte hängen Bilder der Wartburg, denn der Besitzer ist ein Ex-Bundeswehrsoldat aus Thüringen.

Von Borries, der durch unkonventionelle "MusikmissbrauchsKonzerte" zu Werken bedeutender Komponisten bekannt wurde, setzt in seiner Oper-Bearbeitung unter anderem Bruchstücke aus Mendelssohns "Reformationssymphonie", aus Liszts "Le Prludes" oder Puccinis "Turandot" ein.

Er verwirkliche damit ganz andere Vorstellungen des Werkbegriffs als die meisten anderen Musiker und Dirigenten. Bei vielen Wagner-Aufführungen frage er sich: "Wie können sich die Leute heute eigentlich noch auf die Bühne stellen und so etwas aus voller Brust singen? Es klinge meistens so, als würden sie es selber nicht verstehen." Deshalb habe er das Libretto weniger beachtet und sich vorwiegend der Musik gewidmet.

Zur Musik der Staatskapelle Weimar spielt er Stimmen von in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten und Seelsorgern ein, die über ihren Militäreinsatz, Waffen, Drogen und sexuelle Entzugserscheinungen erzählen. Rhythmisch gesprochen ähneln sie nach Angaben von Borries dem Schönbergschen Sprechgesang oder modernem HipHop.

Die Wartburg und Tannhäuser stehen in dem Stück für das Militärische. Dramatischer Gegenpol ist der Venusberg als Ort von Sex, Sehnsüchten und Verheißungen. Dieser Kontrast soll durch den Einsatz von Soap Operas, Werbung und Internet-Erotik sichtbar werden.

Venus und die Heilige Elisabeth werden in der Eisenacher Aufführung von zwei New Yorker Frauen verkörpert, die mit ihrem Akzent zu einer weiteren Verfremdung beitragen sollen.

Anlass des Projekts ist der legendäre Sängerwettstreit vor 800 Jahren auf der Wartburg, bei dem Minnesänger ihrem Herrscher huldigten. Das Ereignis inspirierte Richard Wagner, Urgroßvater von Kunstfest-Chefin Nike Wagner, zu seiner Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg". (Internet: www.kunstfest-weimar.de)

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