63-Jähriger aus der S-Bahn geprügelt - Polizei findet Zeugin

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Tanz mit mir

- In Russland mangelt es bekanntlich an vielem, nur Seele, so heißt es hartnäckig, haben die Menschen dort mehr, als ein einziges Volk gebrauchen kann. Und die Russen leiden pflichtgemäß sehr unter diesem Zustand. Aber weil daran nichts zu ändern ist, kann man es ebenso gut genießen. Wem diese slawische Logik einleuchtet, wird seine Freude an "RussenSoul" haben. 16 Interpreten präsentieren hier unterschiedliche Strömungen der populären Musik, die von Russen auf der ganzen Welt gehört wird.

<P>Wie bei allen osteuropäischen Popmusikern sind die Resultate wunderbar, solange sie ihre Traditionen einfließen lassen, und tragikomisch, falls sie unbeholfen vermeintlichen Trends des Westens hinterherlaufen. So ist das auch bei "RussenSoul". Wenn die völlig entfesselte Akkordeon-Bande Dr. Bajan bei "Moldavaneska" eine wüste Mischung aus Folklore und Punk anrührt, ist das unwiderstehlich. Wenn hingegen Paperny T.A.M bei "Tänze" bemüht lässige Club-Musik imitiert, gefällt das slawophilen Sowjetnostalgikern im Westen. Aber sonst wohl niemandem.<BR><BR>Überhaupt gibt es auf dieser vorzüglichen Zusammenstellung einige Nummern, die sich zu offensichtlich anbiedern - es sind die schwächsten. Am besten sind jene, in denen Sänger und Musiker zwischen den Stilen schwimmen und zum Beispiel unbekümmert Jazziges, südamerikanische Rhythmen und unergründliche slawische Wehmut miteinander vermengen.<BR><BR>Textlich sind die meisten Lieder grandios vage und eher assoziativ denn erklärend. Es geht ums Gefühl. So reicht es, wenn die großartige Sveta Kolibaba in "Nicht mit mir" lakonisch beklagt, der Mann ihrer Wahl weigere sich, mit ihr zu tanzen, um zu verstehen, dass hier gerade ein Herz bricht. Überhaupt wird gerne dem Lebensüberdruss, dem Weltschmerz, der fundamentalen Verzweiflung gehuldigt. Aber damit das nicht falsch verstanden wird: Das ist nie trübsinnig, sondern immer mitreißend, denn "Leid" ist nicht gleichbedeutend mit "schlecht", sondern signalisiert, dass man noch lebt. Und das muss man feiern. Das ist das Geheimnis der slawischen Seele, und mit "RussenSoul" kann man es 58 Minuten lang teilen.</P><P> </P>

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