Tanz auf allen Ebenen

- Ein bisschen erinnert es an die New Yorker Judson-Church-Ära und ihre späten Ausläufer: Bewegung improvisieren, tanzen auf Straßen, in Bahnhöfen, Telefonzellen. Für ihre vom Kulturreferat geförderte Performance "Dig Deep" hat sich die US-Choreographin Mia Lawrence jetzt das Ampere ausgespäht, den neuen Clubraum des Münchner Muffatwerks, und etwa ein Dutzend Münchner Tanzschaffende, u. a. Katja Wachter, Anna Holter und Helmut Ott, integriert.

"Komm für fünf Minuten oder drei Stunden!", so die Einladungs-Devise, die vorab schon die lockere Club-Atmosphäre betonte. Tanz auf allen Ebenen wurde versprochen - und gehalten. Und so schlenderte man diesem oder jenem Tänzer folgend nach draußen oder nach oben auf die Galerie, hatte von dort die Draufsicht auf die Podiumsbühne und seitliche Rampe mit Gilles Duvivier am Mischpult und Tabla-Spieler Florian Schiertz. Während die beiden Sound-Geber sanft geklöppelte Rhythmen, Alltagsgeräusche oder auch mal einen Popsong liefern, peitscht ein Tänzer seinen Körper zwischen den orangenen Club-Sitzkuben in bizarre Formen, ruhen sich drei andere mal aus und kommen gerade wieder fünf, sechs oder acht auf das Podest für eine kurze synchrone Sequenz.Diese - meist skulptural-statischer Machart - scheinen die von Lawrence vorgegebenen strukturellen Eckpunkte in dem ansonsten improvisatorisch freien Gefüge. Jeder Mitwirkende erfindet in zeitgenössischer Entspanntheit seine eigene Mini-Performance. Irgendwie fügen sich diese Splitter zu einem ruhig dahinfließenden Ganzen - Werkstatt-mäßig mittendrin Licht-Meister Pipon und Videofilmerin Eileen Stanley, deren Bewegungs-Bilder auf einer Eck-Leinwand in ihrer Karg- und Schemenhaftigkeit offensichtlich die totale Auflösung von Tanz demonstrieren wollen. Insgesamt eine nette kleine Sache, die ihren Titel "Grabe tief" allerdings verfehlt hat.

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