Benefiz-Abend

Tanz-Familie

So kann Tanz sich sehen lassen, so macht Tanz heiter. Und Moderator Christoph „Ursli“ Martis bis in die Ränge hinauf strahlender Charme sorgte ohnehin dafür, dass diese zweite Münchner Aids-Tanz-Gala keine Betroffenheits-Veranstaltung wurde.

Der Gala-Initiator, Tanzchef Hans Henning Paar, kann stolz sein: Dank ausverkauftem Gärtnerplatztheater wird der Münchner Aids-Hilfe e. V. wohl wieder wie 2007 ein Erlös von 20 000 Euro bekommen.

Der Tanz, das Stiefkind der Kultur, da staunt man doch nicht wenig, vermag Aufmerksamkeit zu wecken, vermag zu helfen und dabei, wie schön!, sich selbst als Kunst zu beweisen. Hier wurde eine Palette von Entwicklungen und Stilen aufgefächert, die auch alle Choreographen und Tänzer stolz machen kann. Leipziger Solisten präsentierten mit Uwe Scholzens Mozart-Pas-de-deux „Jeunehomme“ europäische Glasklar-Neoklassik pur. Ein „Tristan“-Pas de deux vom Ballett der Königlichen Oper Stockholm zeigte die Neoklassik in ihrer hochdramatischen Ausprägung. Die Neoklassik in ihrer komödiantischen Form war mit Crankos „Zähmung“ von den Staatsballett-Koryphäen Lisa-Maree Cullum und Alen Bottaini zu sehen und ein hauchfeines Beziehungs-Kammerspiel von Bertrand d’At. Der Leiter des Ballet de L’ Opéra du Rhin erinnert mit seinem „A sigh of love“ an den großen Antony Tudor, der jeder Geste ihre Sensibilität gegeben hat. Postmodern gebrochen, sprich gekonnt auf den Spuren des genialen William Forsythe, dann Levente Bajári mit Partnerin vom Ungarischen Nationalballett und gleichermaßen das Duett von David Dawson, dem Chefchoreographen des Dresdener SemperOper Balletts. Und beide Duette grandios getanzt.

Eher als alle Titel, alle Namen zu nennen, soll betont werden, dass es Paar gelungen ist, die Gäste, sein Ensemble, das Staatsballett, Konstanze Vernons Stipendiaten der Münchner Heinz-Bosl-Stiftung und die Studenten von Münchens Modern-Dance-Pionierin Jessica Iwanson zu einer großen Tanz-Familie zusammenzuführen, über jegliches Konkurrenzdenken hinweg. Man durfte an diesem Abend durchaus tänzerische und stilistische Präferenzen haben, aber das immense Können der heutigen Tänzer, die Vielfalt der oft herabgelächelten „Bewegungskunst“ sind nicht zu leugnen. Die ernste Hochachtung davor war aus Christoph Martis Moderation herauszuspüren, auch wenn er mit Songs von Zarah Leander und Grethe Weisers „Vamp“ und seinem Schelmenhumor lustvoll den Entertainer herauskehrte. Nach Paars schnee-wirbelndem fröhlichem „Nussknacker“-Rausschmeißer bleibt die Hoffnung, dass solch ein Abend vor allem die Prävention unterstützt und das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen, sich vor dem HIV-Virus zu schützen.

Malve Gradinger

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