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Dave Gahan, der Frontman von  Depeche Mode: Ihm lagen die Fans bei der „Tour of the Universe“  auch in München zu Füßen.

Depeche Mode: Tanzfete mit Aschenkreuz

München - Für die Fans war‘s ein Fest, die Atmosphäre war begeisternd: Das Konzert von Depeche Mode im Münchner Olympiastadion war das Highlight des Wochenendes. Lesen Sie die Konzertkritik und sehen Sie das Video dazu.

Aus was für einem Holz ist Dave Gahan eigentlich geschnitzt? Der Sänger der Band Depeche Mode hat eine Heroin-Sucht durchgemacht, sich den Goldenen Schuss gesetzt, war zwei Minuten klinisch tot, hat einen Selbstmordversuch überlebt - und noch vor drei Wochen lag er unterm Messer, weil man einen bösartigen Tumor in seiner Blase entdeckt hatte.

Ein paar Konzerte wurden abgesagt. Doch an diesem strahlenden Samstagabend wirbelt der 47-Jährige seinen Rock’n’Roll-Körper im Olympiastadion herum, so als sei nichts geschehen.

Eine halbe Stunde zuvor ist die gespannte Erwartung mit Händen zu greifen in der fast ausverkauften Arena (aus der Südkurve grüßen grün größere Flecken leerer Sitzreihen). Doch wie so üblich bei den Synthie-Pop-Veteranen gibt es keine großen Worte oder gar Erklärungen. Und so darf man frei interpretieren: Der schwarze Knabe und der weiße Greis, die im düsteren Eröffnungsstück „In Chains“ auf den Video-Leinwänden erscheinen – ein Bild der Vergänglichkeit? Die junge Frau, die man dort rennen sieht – rennt sie der verrinnenden Zeit hinterher? Im vierten Song, „It’s No Good“, singt Gahan „You can run, but you cannot hide.“

Alles Humbug. Das Memento Mori war für die Musik von Depeche Mode schon immer charakteristisch. Der Grundton in Dave Gahans sonorem Gesang, Martin Gores exzentrischer Gitarren-Gockelei, Andrew Fletchers großformatigen Synthesizer-Melodien, dem blechernen Zweivierteltakt – er ist schwarz. Bei der wilden Tanzfete des Trios wird das Aschenkreuz immer mitgedacht.

Die Bühne ist schlicht diesmal, drei Leinwände im Hintergrund , über der Band und ihren Mitmusikern hängt eine Kugel, auf die ebenfalls Bilder projiziert werden - oft monochrome Farben oder Schwarzweißaufnahmen der Protagonisten. Kein lebhaft pulsierender Bildersturm, wie ihn der Fotograf und Video-Künstler Anton Corbijn der Band bei der letzten Tour hat angedeihen lassen.

Es dauert auch eine Weile, bis die Fans ihre Ehrfurcht ablegen und die gewohnte Begeisterung sich Bahn bricht – genauer gesagt bis zu den Klassikern „It’s No Good“ und „Question Of Time“. Davor und auch im Mittelteil dominieren Songs des neuen Albums „Sounds Of The Universe“, das reich ist an verschachtelten Klängen und recht arm an Dynamik und Melodien. Entsprechend träge quellen diese Sounds auch live über den Bühnenrand.

Dann kommt der Hit „Enjoy The Silence“, und es wirkt, als habe jemand einen Schalter umgelegt: Die Menge rast, Gahan tanzt auf dem Steg, der ins Publikum ragt. Er badet so selbstverständlich in der Menge wie ein Synchronschwimmer, rudert mit den entblößten, tätowierten Armen, animiert das Meer der Hände, das daraufhin wirkt wie ein eigener Organismus, ein überdimensionales Tier, dem sich die Haare sträuben.

Gahan streichelt es mit seinen Gesten. Es ist seine Show. „Never Let Me Down Again“, „Personal Jesus“ – dann ist Feierabend. Fast: Am Ende stellt er sich zusammen mit Martin Gore ganz vorne auf den Steg und singt leise: „I’m Waiting For The Night To Fall.“ Doch bevor man wieder ans Jenseits denken kann, bläst der Zeremonienmeister das Aschenkreuz weg, winkt und ruft, bevor er abtritt: „We’ll See You Again!“ Seine Fans werden ihn beim Wort nehmen.

Johannes Löhr

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