Wer tanzt "Nussknacker"?

- Wenn man in München nun einmal dieses gute Bayerische Staatsballett (BStB) hat - dank Gründerin Konstanze Vernon -, dann entwickelt, wer Tanz liebt, lokalpatriotischen Stolz. Ist es da vermessen, von diesem Ensemble so ganz allmählich das Prädikat "Elite" zu erwarten und eine internationale Popularität - wie sie die Bayerische Staatsoper unter Sir Peter Jonas längst erspielt hat? Bringt vielleicht die Saison 2003/04 (die sechste von Ballettchef Ivan Liska) die Erfüllung unserer Erwartungen?

<P>Immerhin: Zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen ist das BStB als Kulturbotschafter Deutschlands geladen. An Tanz konkret: Eine "Dornröschen"-Neuinszenierung von Ex-Royal-Ballet-Direktor Anthony Dowell fiel einer Haushaltssperre zum Opfer. Jetzt hat Ballettchef Liska selbst die Gelegenheit, sich an diesem Petipa-Ballett zu beweisen - zum ersten Mal als Klassik-Experte. Wer weiß, vielleicht macht er es besser als Dowell. Und frisch ausgebürstet und neu beleuchtet soll Peter Farmers Ausstattung (der alten Münchner Peter-Wright-Version) nicht nur schön werden, sondern auch 300 000 Euro einsparen (2.12.03).<BR><BR>Die Ballettwoche (10.-19. 3.04) zielt vorwiegend auf die Modern-Freaks: Neben Neumeier und Kyliá´n bekommt nun auch der Schwede Mats Ek ein "Porträt" . Dazu wird sein bereits erworbenes "A Sort of" ergänzt durch "Apartment"- was wir allerdings bei seiner Pariser Premiere vor Jahren nicht berückend fanden. Aber Ek hat Überarbeitung  versprochen.<BR><BR>Ivan Liska erstmals als Klassik-Experte</P><P>Und in der Terpsichore-Gala IV endlich wieder Gäste aus der Ballett-Elite zwischen Moskau, New York, Paris und (weil es 2004 wohl aufgelöst wird) aus Forsythes Frankfurt Ballett. Modernes, sprich Stücke des Israeli Ohad Naharin, bringt auch das Gastspiel der Grands Ballets Canadiens de Montreal. Mit Balanchine-Stücken gedenkt man des 100. Geburtstags des großen Neoklassikmeisters.<BR><BR>Also ein Spielplan, stilistisch gut durchmischt, "für jeden Geschmack etwas", wie es der Trend in allen Ballettensembles ist. Möglich, dass es gerade daran liegt. Das Besondere fehlt, eine künstlerische Aufregung. Wenn schon nicht choreographisch mit Kreationen, dann wenigstens tänzerisch! Mit den Mitteln, die im Freistaat zur Verfügung stehen - noch.<BR><BR>Starballerina Lucia Lacarra bleibt jetzt doch, mit ihrem Partner - ein Gewinn. Judith Turos bereitet sich aber aufs Ballettmeisterfach vor. Die ersten Solistinnen Kusha Alexi und wohl auch Maria Eichwald suchen Veränderung. Wechsel und Wandel gehören zum Natur-Kreislauf eines Ballettensembles. Aber wer tanzt dann "Sommernachtstraum", die Wiederaufnahmen "Nussknacker", "Kameliendame", "Bayadè`re"? Liska möchte auch nach dem Intendantenwechsel 2006 Ballettchef bleiben. An Liska also, ob unser Herzensslogan eine Chance hat: "Fürs Staatsballett geh' ich meilenweit"?<BR></P>

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