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Quentin Tarantino

Tarantino lässt Django von der Kette

München - Quentin Tarantino dreht einen neuen Film. Offiziell weiß man kaum mehr als den Titel: „Django Unchained“. Doch jedes Gerücht, jede mögliche Besetzung wird von der Fangemeinde leidenschaftlich diskutiert. Zwar kursiert das Drehbuch längst im Netz, aber die Frage bleibt: Wie wird Tarantinos „Southern“ aussehen?

Es sind nur zehn Wörter und ein Datum. Doch die krakelige, unbeholfene Handschrift elektrisiert sofort Fans auf der ganzen Welt: „,DJANGO UNCHAINED‘ written and directed by Quentin Tarantino“ steht auf dem weißen Blatt Papier. Darunter: „Last Draft, April 26th 2011“. Genauso hatte es vor knapp drei Jahren auch angefangen. Die gleiche Handschrift, die gleichen Wörter – nur ein anderer Titel. Damals stand „Inglourious Basterds“ ganz oben auf der Seite. Nun also „Django Unchained“, was wörtlich übersetzt so viel wie „Django ohne Ketten“ bedeutet.

Keine vier Tage hat es gedauert von dem Moment, als Tarantino „Letzter Entwurf, 26. April 2011“ auf das Blatt kritzelte, bis diese erste Seite seines neuen Drehbuchs im Internet kursierte. Sie beendet das Rätselraten, das am Tag der Premiere von „Inglourious Basterds“ bei den Festspielen in Cannes anno 2009 begonnen hatte: Was kann kommen nach dem Film, in dem eine Gruppe jüdischer Elitesoldaten um Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) den Lauf des Zweiten Weltkriegs auf den Kopf stellt? Dreht Quentin Tarantino endlich „Pulp Fiction 2“? Das hofften auch 17 Jahre nach seinem ersten Oscarerfolg noch viele Fans. Oder eher „Kill Bill Vol. 3“? Einige glauben sogar schon, die Handlung eines möglichen dritten Teils des Rache-Epos zu kennen. Doch bislang hat Tarantino, 48, noch mit jedem seiner sieben Filme überrascht. Immer wieder macht er Andeutungen, hält die Gerüchteküche am Brodeln. Ein Spaghetti-Western würde ihn reizen, sagte er mehrfach. Dann sprach er plötzlich von seiner Faszination für die Zeit der Sklaverei. Am Ende sind sich viele Fans sicher: QT, wie sie ihn nennen, arbeitet an einem „Southern“. Ein Film über die Sklaverei im Westernstil. Aber ist „Django Unchained“ wirklich dieser Southern? Sofort machten Gerüchte die Runde, Tarantino könnte ein Remake des Italowesternklassikers „Django“ aus dem Jahr 1966 planen. Franco Nero spielte darin einen einsamen Cowboy, der immer einen Sarg hinter sich herzieht. Es ist ein Film, der zu Tarantino passen könnte. Seit seiner Zeit als Angestellter in einer Videothek steht der Filmemacher im Ruf, auch den letzten B-Streifen gesehen zu haben. Doch es dauerte nur wenige Tage, dann hatte auch dieses Rätselraten ein Ende. Das Drehbuch tauchte im Netz auf: 166 Schreibmaschinenseiten, von Hand durchnummeriert. Es ist die Geschichte von Django, einem Sklaven, der von einem deutschen Kopfgeldjäger befreit wird und mit ihm zusammen auf die Mission geht, um seine Frau aus den Fängen eines brutalen Sklavenhalters zu befreien. Der hält Djangos Frau – typisch Tarantino – auf einer Farm namens Candyland, „Süßigkeiten-Paradies“, gefangen, wo er blutige Kämpfe zwischen Sklaven inszeniert.

Tarantino hat die Rolle des deutschen Zahnarztes und Kopfgeldjägers Christoph Waltz auf den Leib geschrieben. Sofort denkt man beim Lesen der ersten Seiten an das teuflische Grinsen des SS-Standartenführers Hans Landa, den Waltz in „Inglourious Basterds“ spielte. Die Rolle brachte ihm einen Oscar als bester Nebendarsteller ein. „Ich bin Dr. King Schultz“, stellt er sich gleich auf Seite vier des Drehbuchs von „Django Unchained“ vor, „und das ist mein Pferd Fritz“. Einer der berühmten abgedrehten Tarantino-Dialoge beginnt. Kein Wunder, dass Waltz sofort zusagte, den Part zu übernehmen. Immer wieder betonte der Österreicher, was er Tarantino zu verdanken habe.

Doch viel wichtiger ist die Frage: Wer spielt Django? Ein schwarzer Star musste her, und als die Rechte für die Auslandsverwertung des Films an die Produktionsfirma Sony gehen, war sich die Internet-Fangemeinde einig: Das konnte nur heißen, dass Will Smith die Rolle bekommt, der gewöhnlich mit diesem Studio dreht. Doch Tarantino überraschte wieder, entschied sich für Jamie Foxx, der bereits für seine Darstellung von Ray Charles einen Oscar bekam.

Seitdem füllen sich die Reihen. Tarantino vermag es, den Grundstein für Schauspielkarrieren zu legen oder sie wiederzubeleben – das ist spätestens seit John Travoltas Tanzszene in „Pulp Fiction“ klar. Und so liest sich seine aktuelle Besetzungsliste inzwischen auch wie das Who-is-who Hollywoods: Leonardo DiCaprio wird als skrupelloser Sklavenhalter zu erleben sein, unterstützt wird er angeblich von Kevin Costner als Co-Bösewicht. Und einer darf natürlich auch nicht fehlen: Samuel L. Jackson, seit „Pulp Fiction“ fast immer dabei, wenn Tarantino einen Film dreht, wird einen alten Sklaven spielen.

Viel schiefgehen kann eigentlich nicht mehr, da sind sich die Fans in den einschlägigen Internetforen einig. Jetzt heißt es nur noch warten: Die Premiere von „Django Unchained“ ist angekündigt – für Weihnachten 2012.

Von Philipp Vetter

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