Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Tarzan im Reaktor

- Als avantgardistischen Aufmüpfer kann man Alexeij Sagerer nach 30 Jahren nicht mehr bezeichnen. Aber hartnäckig ist er geblieben. Den Atem für ausgetüftelte, mathematisch verschrobene Langzeitprojekte im Performance-Bereich hat so sonst niemand, zumindest nicht in München und bayerischem Umfeld. Und jetzt ist ihm auf seiner "Operation Raumschiff" mit "Monster-Idyllen" in der Reaktorhalle (Luisenstraße 37a) wieder einmal - nach dem akademisch-spröden Raumschiff-Stopp 2003 im Tierpark Hellabrunn - eine prägnante Sache gelungen.

<P>Für Sagerers surreal verschlüsseltes Denkgebäude bräuchte man ganze Feuilletonseiten. Abgekürzt: An einer seit Jahren kreisenden Raumschiff-Plattform docken immer wieder neue Ideen an, wie zum Beispiel Rousseaus "Zurück zur Natur" in der Gestalt Tarzans - der aber zugleich für die idealisierte Geburt der USA steht und folglich die Achse des Bösen bekämpft.<BR><BR>Nach der Etappe bei den Hellabrunn-Affen ist Tarzan hier im Betongehäuse eines Atomreaktors gelandet, die Reaktorhalle dazu blendend geeignet. Auf einer Schwindel erregend hohen Empore hackt der Lendenschurz-Mann Holz, schleppt Wasser, während seine Jane aus einem Fensterrahmen blickt oder auf einer Schaukel sitzt.<BR><BR>Wir, unten und klein, versammelt in einer Art US-Fort - Kay Winklers nüchtern-schöne Holz-Installation -, beobachten diese (symbolischen) Live-Naturaktionen, die in Teil-Aspekten auch auf einen Videoschirm projiziert werden. Die Männer an den Mischpulten ebenfalls hoch oben mit Sagerer, der seine Versione(n) der Tarzan-Idylle ins Mikro röhrt - endlich mal wieder Sagerer als Stimmpoet -, und gegenüber Sebastiano Tramontana, der seine Posaune zu kosmischem Urwald-Getön zwingt.<BR><BR>Wenn am Ende eine nackte Auspeitschszene über den Bildschirm flimmert, die an die US-Militär-Folterungen irakischer Gefangener erinnert, ist ein Bogen geschlagen von einer lediglich filmisch erdachten Natur-, also Monster-Idylle zu menschenverachtender, fehllaufender Welt-Politik. Sagerers schräg abgedrehte Texte in Kombination mit den strengklaren (Klang-)Bildern - das greift.<BR><BR></P><P>Noch heute, 20.47 Uhr, Karten 089/ 74 66 30 47, die "live-streams" auch abrufbar auf www.proT.de</P><P><BR> </P>

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