Terrorverdacht bei Messerattacke in Finnland - Zwei Tote und sechs Verletzte

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Taschen-Parsifal

- Wer hat je das "Christelflein" gesehen? Selbst hartgesottene Opernfans müssen bei dieser Frage passen. Nun konnten sie es wenigstens hören, beim Konzert des Münchner Rundfunkorchesters. Sehen muss man Hans Pfitzners 1906 in München uraufgeführte Spieloper wohl eher nicht. Denn mit Elflein und Christkindchen, Tannengreis und Knecht Ruprecht sowie der Engelschar tun sich nicht nur Regisseure, sondern auch Opernbesucher heutzutage schwer. Außerdem umweht die - 1917 in zweiter Fassung herausgebrachte und mit einem Happy End versehene - Märchenoper ein Hauch von völkischer Deutschtümelei.

Pfitzner selbst nannte sie seinen "Taschen-Parsifal", und da ist was dran: Wagner stand Pate. Nicht nur dass Pfitzner seinem Knecht Ruprecht eine Ansprache verpasste, die den großen Bruder Hans Sachs imitiert. Auch wenn das Christelflein seine naiven Fragen ans Christkindchen richtet - "Woher kommst du?" -, dann ist Wagners reiner Tor nicht weit. Erlösung muss ebenfalls sein, in einem seltsam heidnisch- christlichen Gemisch: Das Christkind muss dem lieben Gott ein Seelchen bringen, und eigentlich wäre das Trautchen dran. Doch das Elflein möchte so gern aus dem Wald, ein Mensch sein und in den Himmel kommen, dass das Trautchen auf der Erde bleiben darf. Der kritische Bruder Frieder wird daraufhin ein Glaubender. Fürwahr ein schwer verdauliches Opus, das Pfitzner da nach einem Märchen von Ilse von Stach gezimmert hat. Dennoch ist es musikalisch nicht uninteressant, lohnte sich die konzertante Live-Begegnung mit der Ausgrabung allemal.<BR><BR>Claus Peter Flor ließ sich mit dem auch solistisch geforderten und überzeugenden Rundfunkorchester auf Pfitzners nie süßliche, gekonnt instrumentierte Stimmungen ein. Nur zweimal, einmal sogar ironisch, zitiert Pfitzner Weihnachtslieder. Ansonsten findet er einen eigenen liedhaften, oft beschwingten Ton mit gelegentlichen dramatischen Tupfern. Für die waren vor allem die Bässe zuständig: Michael Volle als wohltönende Autorität (Knecht Ruprecht) und Friedemann Röhling als ruppiger Tannengreis, ergänzt von Andreas Hörls baritonal-gradlinigem Herrn von Gumpach. Marlis Petersens Christelflein versprühte naiven Charme und eine Prise operettenhaften Glitzer in den himmelhohen Koloraturen. Besinnlicher tönte das Christkindchen von Martina Rüping. Kevin Conners mischte sich mit frischem Tenor als Frieder ein. Tölzer Knaben liehen den Engeln ihre Stimme.

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