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Beeindruckendes Debüt: Ulrich Tukur als Felix Murot.

Tatort-Kritik: Der geniale Coup mit dem Gehirntumor

München - Eine würdigeres Geschenk zum 40. ARD-„Tatort“-Geburtstag hätte sich kaum finden lassen: Der Tumor im Gehirn von Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) erweist sich als grandioser Coup:

Nicht nur, weil Ulrich Tukur als Felix Murot vom LKA Wiesbaden einen furiosen Einstand als neuer Ermittler des Hessischen Rundfunks (HR) gibt. Nicht nur, weil der Fall rund um eine Leiche am Edersee, neben der sich eine Waffe aus dem RAF-Umfeld befindet, intelligent erzählt und dabei raffiniert verschachtelt ist. Nicht nur, weil der Krimi von Schauspielern wie Martina Gedeck, Martin Brambach, Barbara Philipp und Fritzi Haberlandt einfach großartig gespielt ist. Und nicht nur, weil Murot sich während der Klärung des Mordfalls – da klopft das Herz des Oldtimerfans – einen NSU Ro 80 kauft.

Sondern weil sich der Einfall, dem Kommissar einen wahrnehmungstrübenden Gehirntumor anzudichten, im Verlauf des Krimis als höchst cleverer Coup erweist. Die Angst verändert diesen eigenbrötlerischen, zynischen Anzugträger, der mit seiner anfangs recht bärbeißig erscheinenden Sekretärin Magda Wächter einen wunderbar ruppigen und zugleich echte Freundschaft verheißenden Umgangston pflegt. Der Tumor beeinflusst auch Murots Blick auf die Wirklichkeit. Stellenweise scheint alles schärfer zu werden, was er ins Visier nimmt, streckenweise verschwimmt alles vor ihm.

Als würden Teile seines Gehirns auf einmal anders arbeiten als früher, in seinem Leben vor der „Haselnuss“. An diese veränderte Wahrnehmung passt sich die Kamera elegant an. Die kühne Inszenierung von Achim von Borries balanciert zwischen Traum und Realität, Tod und Leben, Nebel und Sonnenschein. Die Musik verleiht dem Film zusätzlich eine Aura der Verwunschenheit. Vieles erinnert an französische Krimis der Vierzigerjahre, nicht nur die Blusen, Röcke, Hochsteckfrisuren, Mäntel und Anzüge.

Mit „Wie einst Lilly“ gelingen Tukur und dem HR ein rundherum beeindruckendes „Tatort“-Debüt, das wieder einmal beweist, was die Krimireihe zu einem derartigen Erfolg werden ließ – die stimmige Verschränkung von Anspruch, Avantgarde und spannender Unterhaltung.

Ulrike Frick

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