+
Das Gesamtpaket stimmt: Miroslav Nemec bei der Lesung im Circus Krone. 

Auftakt des Münchner Krimifestivals

Bei Miroslav Nemec trifft Christie auf Kluftinger

München - „Tatort“-Star Miroslav Nemec eröffnete im Circus Krone das Münchner Krimifestival mit der Lesung seines Krimis „Die Toten von der Falkneralm“.

„Sollte mein Buch verfilmt werden, muss Ivo Batic den Miroslav Nemec spielen!“, scherzt Miroslav Nemec und genießt die Lacher, die diese Vermischung von Realität und Fiktion im Publikum auslöst. Denn genau auf dieser Mixtur basiert der erste Krimi des Münchner Schauspielers und „Tatort“-Kommissars: In „Die Toten von der Falkneralm“ (Knaus Verlag) ermittelt der mit sehr authentischen Zügen ausgestattete fiktive Schauspieler Miroslav Nemec in einem Mordfall. Ausgerechnet an einem „mörderischen Wochenende mit Krimilesung“ in einem durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnittenen Berghotel ereignen sich drei furchtbare Verbrechen. Und Nemec, der als Darsteller des Kommissars Ivo Batic Erfahrung mit erfundenen Fällen hat, soll diese Taten aufklären.

Geschickt spielt der 62-Jährige mit dem Rollentausch zwischen seinem echten und fiktiven Ich: Während des Abtransports der Leichen bemerkt der Schauspieler im Roman sarkastisch, dass beim Drehen die Kollegen, die die Toten spielen, deutlich kooperativer seien als echte Leichen, und schwankt – wie wohl auch im wirklichen Leben – immer wieder zwischen Eitelkeit und Angestrengtheit, wenn vor allem weibliche Fans ihn erkennen und umwerben.

Als Schauspieler kann Nemec sein Buch perfekt präsentieren

Dass die Veranstalter des renommierten Krimifestivals München ausgerechnet einen Schriftstellerneuling das diesjährige Festival im Circus Krone eröffnen ließen, ist kein Zufall. Neben seiner Prominenz als Teil des dienstältesten „Tatort“-Ermittlerduos und seiner Beliebtheit als Münchner Lokalgröße hat der gebürtige Kroate ein weiteres Ass im Ärmel: Als professioneller Sprecher kann er sein Buch – anders als viele andere Autoren – selbst perfekt präsentieren. Mühelos springt er zwischen verschiedenen Stimmen und Dialekten, schafft Spannung in den einzelnen Szenen und ergänzt den Lesetext mit Anekdoten aus seinem Leben als Schauspieler. Das stimmt als Gesamtpaket und tröstet ein wenig darüber hinweg, dass der Roman nicht unbedingt der First-Class-Kultur angerechnet werden kann. Das Setting im von der Umwelt isolierten Landgasthof erscheint wie eine Mischung aus Agatha Christie und dem Band „Rauhnacht“ der „Kluftinger“-Reihe von Michael Kobr und Volker Klüpfel. Die Sprache der Protagonisten, die sich gern auch derben Ausdrücken wie „Fuck“ oder „Scheiße“ bedienen, scheint allzu sehr dem von Miroslav Nemec angestrebten Realismus geschuldet. Dem Publikum und der Moderatorin Marion Bösker vom Literaturhaus München ist das egal. Sie genießen die Einblicke, die Nemec durch seine Figur im Buch, aber auch mit einem Interview in sein Leben als Fernsehstar gibt. Unumwunden erzählt er von der Eitelkeit und der Käuflichkeit aller Schauspieler. „In der Regel widersprechen wir dem Regisseur nicht.“ Eines seiner Mottos sei daher ein Zitat seines Kollegen Hans Stetter: „Ein Schauspieler macht es – oder er macht es doch.“

Vielleicht hat ihn die Freiheit, als fiktiver Nemec tun und lassen zu können, was er will, dazu motiviert, diesen Krimi zu schreiben, dem er den Untertitel „Mein erster Fall“ gegeben hat. Die Frage, ob ein zweiter Fall geplant ist, übergeht er allerdings geschickt. „Das andere ist ja doch mein richtiger Beruf.“ Marion Bösker überreicht ihm am Ende der Lesung dennoch die „Goldene Handschelle“ als Auszeichnung für seinen ersten Roman, bezeichnet diese als „Bundesverdienstkreuz für Krimiautoren“ und wünscht Nemec augenzwinkernd Verkaufszahlen wie sie der neue „Harry Potter“ gerade erreicht. Spätestens hier ist die Vermischung von Realität und Fiktion wohl endgültig vollzogen.

Melanie Brandl

Das Krimifestival

dauert bis 13. November;

Infos unter www.krimifestival-muenchen.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kurt Cobain wäre heute 50: So war sein letztes Konzert in München
München - Heute wäre Kurt Cobain 50 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnert sich ein Besucher an sein letztes Konzert mit Nirvana in München.
Kurt Cobain wäre heute 50: So war sein letztes Konzert in München
Energie! Skunk Anansie in der Muffathalle
Skunk Anansie leben von ihren Crossover-Hymnen des letzten Jahrtausend. Dennoch, die Band weiß ihr Publikum zu begeistern. Unsere Konzertkritik. 
Energie! Skunk Anansie in der Muffathalle
Wenn die Geister kommen
Toshiki Okadas Stück „Nō Theater“ wurde an den Münchner Kammerspielen unter seiner Regie uraufgeführt. Der japanische Dramatiker schult dabei die ästhetische Wahrnehmung …
Wenn die Geister kommen
Konzertkritik: Rainhard – a Herz wia a Bergwerk
Er sagt’s und singt’s ja selber... „Große, schwarze, runde Scheiben, die ewig im Gedächtnis bleiben“ – eine feine Zeile aus Rainhard Fendrichs (61) „Das Höchste der …
Konzertkritik: Rainhard – a Herz wia a Bergwerk

Kommentare