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In den Fußstapfen von Dustin Hoffman: Richy Müller in „Rain Man“ in der Komödie im Bayerischen Hof. 

Schauspieler Richy Müller im Interview

Tatort Theater

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Viele kennen ihn aus dem Stuttgarter „Tatort“ im Ersten, in dem er mit dem Kollegen Felix Klare Mörder jagt. In München kann man Richy Müller  jetzt auf der Theaterbühne sehen. In der Komödie im Bayerischen Hof spielt der 63-Jährige einen Autisten in „Rain Man“ nach dem gleichnamigen Hollywoodfilm mit Dustin Hoffman.  

So ein Selfie ist gar nicht so einfach. Jedenfalls braucht es eine Weile, bis Richy Müller mit dem selbst geschossenen Foto während unseres Interviews zufrieden ist. „Ich bin halt Perfektionist“, lacht er – und das gilt offenbar beruflich wie privat. Von morgen an ist der 63-Jährige, den Millionen Zuschauer als Stuttgarter „Tatort“-Kommissar kennen, in der Komödie im Bayerischen Hof zu sehen. Er spielt die Titelrolle in „Rain Man“. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Hollywood-Film mit Dustin Hoffman in der Rolle eines Autisten und Tom Cruise als seinem jüngeren Bruder. 2014 hatte die Inszenierung in Karlsruhe Premiere gefeiert, nun also München.

„Rain Man“ kam 1988 in die Kinos. Haben Sie ihn damals gesehen?

Richy Müller: Nein, ich kannte natürlich die Geschichte und das berühmte Poster mit Dustin Hoffman und Tom Cruise auf dieser schönen Allee, aber den Film habe ich erst gesehen, nachdem unser Stück in Karlsruhe Premiere gefeiert hat. Lustigerweise lief er genau einen Tag später im Fernsehen, meine Frau hat ihn dann für mich aufgenommen.

Was wussten Sie über
Autismus?

Müller: Letztlich wusste ich das, was wahrscheinlich jeder inzwischen weiß. Dass die betroffenen Menschen in ihrer eigenen Welt leben und keine beziehungsweise wenig Empathie für irgendetwas empfinden.

Sie haben sich zur Vorbereitung auf die Rolle nicht mit Autisten getroffen?

Müller: Ich arbeite anders. Meine Herangehensweise bei jeder neuen Rolle ist immer so, dass ich versuche, die Figur, die ich spiele, in mir zu finden. Ich stülpe mir da nichts über, sondern suche die Figur in mir. Wenn Sie mich jetzt fragen…

…wie das geht?

Müller: Ja genau, dann kann ich es Ihnen nicht sagen. Das Gute bei „Rain Man“ ist aber: In den Vorstellungen in Karlsruhe waren unter den Zuschauern Therapeuten von Autismus-Zentren, also Experten, und die haben mir bestätigt, dass so, wie ich das spiele, wie ich spreche, wie ich mich bewege, wie diese Figur aus mir heraus entsteht, dass all das authentisch sei. Der Satz, den ich von diesen Leuten oft gehört habe, war: Wir würden Sie sofort nehmen!

Als Patient?

Müller: Ja, genau, als Patient. (Lacht.)Das war für mich ein schönes Gefühl. Man will ja so eine Figur nicht denunzieren oder einen Klamauk daraus machen. Und das schaffe ich anscheinend irgendwie. Es macht auch großen Spaß. Das Stück dauert über zwei Stunden, ich glaube, man geht danach als Zuschauer nachdenklich, aber auch „aufgefüllt“ aus dem Theater.

Und die Leute sehen Sie mal in einer anderen Rolle als den Stuttgarter
„Tatort“-Kommissar.

Müller: Das ist mir tatsächlich auch sehr wichtig. Die Zuschauer sind meist richtig beeindruckt von dem Stück, und das ist ganz gut.

Für Sie ist der Auftritt in der Komödie in München eine Art Heimspiel. Sie
leben im Chiemgau.

Müller:  Ja, seit 15 Jahren schon. Viele denken, ich lebe in Berlin. Stimmt aber nicht. Ich war 27 Jahre in der Hauptstadt, hatte dort Familie. Aber 2004 habe ich die Segel gestrichen. Und ich wusste immer – wenn ich aus Berlin wegziehe, dann nur nach Bayern.

Wieso das?

Müller: Ich habe einen Freund hier in der Region, den Armin aus Gars am Inn, und immer, wenn ich den besucht habe, war ich nach drei Stunden völlig relaxt. Die Natur hier ist einfach Medizin. In einer Stadt wie Berlin ist es ständig laut, unruhig, hektisch, alle haben es eilig, sind ungeduldig. Das habe ich jetzt seit 15 Jahren nicht mehr, und das ist ganz gut.

Keine Angst, was zu
verpassen? Berlin ist für viele Ihrer Kollegen immer noch der „place to be“ – der Ort, an dem man sein muss, wenn man Erfolg haben will.

Müller: Nein, das ist vorbei. Ich war lang genug am „place to be“ und bin um die Häuser gezogen. Irgendwann ist man damit durch.

Stimmt die Geschichte, dass Sie Ihre Frau beim Semmelnholen trafen und sich sofort verliebten?

Müller: Nein, nein. Das ist so ein Märchen, das manche gerne kolportieren.

Wie war es dann?

Müller: Es hat länger gedauert. (Lacht.)Ich habe sie tatsächlich in der Bäckerei kennengelernt, wir haben uns angefreundet – aber gefunkt hat es erst nach sieben Jahren. Was mir persönlich sehr gut gefällt. Dieses blitzartige Verlieben hält oft nicht. Es sind schließlich nicht die äußeren Dinge, die zählen, sondern die inneren.

Konnten Sie als Nicht-
Bayer im Dorf Ihrer Frau schnell Fuß fassen?

Müller: Ja, sofort. Ich passe mich aber auch schnell an. Ich würde zum Beispiel nie in einen Laden gehen und die Leute mit „Tach auch“ oder „Moin Moin“ begrüßen. Ich sag natürlich „Grüß Gott“. Damit fängt es an. Ich mag die Sprache auch sehr gerne und die Direktheit der Bayern. Allerdings ist Bayern nicht gleich Bayern, finde ich. Der Chiemgau ist etwas Besonderes.

Inwiefern?

Müller: Er ist mystisch, energetisch. Wir haben zum Beispiel sehr viele Seher.

Seher?

Müller: Ja. Und Wünschelrutengänger. Es gibt hier Leute, die gehen tagsüber ganz normal ihrem Beruf nach, sind Landwirt oder was weiß ich. Und abends gehen sie in die Häuser und reinigen sie, entdecken Wasseradern, wegen denen die Leute schlecht schlafen. Das ist schon toll. Und das gefällt mir.

Ihre Prominenz war nie ein Thema?

Müller: Nein. Ich bewege mich total frei. Ich weiß ja, dass ich prominent bin, deswegen muss ich mich aber nicht zurückziehen oder irgendwie besonders verhalten. Das wäre dann ja Einsamkeit pur. Ich bin jemand zum Anfassen. Wenn ich an der Kasse im Supermarkt stehe, dann werde ich begrüßt. Ich grüß’ zurück, ratsch’ ein bisschen, und keiner ist gestresst. Das hat was.

Der Kontrast, wenn Sie nach Stuttgart fahren und einen „Tatort“ drehen, ist dann aber ganz schön groß, oder nicht?

Müller: Dann bin ich für fünf, sechs Wochen nicht zu Hause, sondern bei der Arbeit – und das ist toll. Ich stehe gerne vor der Kamera, auf der Bühne sehr gerne sogar. Aber es ist kein Zustand, der mich auf Dauer auffüllt und zufrieden sein lässt. Zufrieden bin ich zu Hause, wenn ich im Garten ein bisschen rumschnippeln kann. Das Dasein genießen, das Haus auf Vordermann bringen, das ist meinem ersten Beruf geschuldet.

Werkzeugmacher, richtig?

Müller: Ja, da habe ich Präzision gelernt, die man auch in der Schauspielerei braucht. Eigentlich überall.

Wobei der Weg vom Werkzeugmacher zum Schauspieler jetzt auch nicht der allernächste ist.

Müller: Stimmt. Bei mir war das reiner Zufall. Ein Freund meines Bruders war Musiker und brachte mich auf die Idee, zu einer Schauspielschule zu gehen. Ich selbst wäre da nie drauf gekommen, aber die Idee gefiel mir. Dann habe ich das verfolgt, mich beworben, und nach neun Monaten war ich nicht mehr Werkzeugmacher, sondern Schauspielschüler, ohne zu wissen, was daraus werden kann.

War wohl die richtige
Entscheidung insgesamt.

Müller: Ja, das würde ich auch sagen.

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