Tauchkurs für Tosca

- Rot schwebt der Schriftzug über der Wasserfläche, wo's gerade "platsch" gemacht hat. Eine hochdramatische Oper, und dann ein solch freches Plakat. Denn bekanntlich stürzt sich die Titelheldin von Puccinis "Tosca" am Ende von der Engelsburg ­ was für die Bregenzer Festspiele, dieses Open-Air-Spektakel am Bodensee, natürlich eine angemessene Lösung nahelegt ...

Wohin die Toscas im Sommer springen werden, ob schon die ersten Tauchkurse absolviert wurden, all das ließ sich Intendant David Pountney bislang nicht entlocken. Nur so viel, dass hier ein "symphonischer Thriller" zu erwarten sei, vor allem auch, weil die Bregenzer ihr ohnehin beispielloses Verstärkersystem noch weiter perfektioniert haben: "Wir haben 800 Lautsprecher und drei- bis viermal mehr Watt als die Rolling Stones." Was nicht unbedingt mehr Dezibel bedeutet, sondern sich auf den fast naturgetreuen Klang bezieht, der sogar so ausgetüftelt ist, dass etwa die Stimme eines Sängers genau aus der Ecke schallt, in der er gerade auf der Riesenbühne steht. Um diese Bühne dreht sich derzeit alles am Bodensee. Errichtet wird eine 50 Meter breite und knapp 25 Meter hohe Wand. Sie ist das Herzstück der Inszenierung und kann lautlos weggeklappt werden. Aus ihr löst sich wiederum ein kreisrunder Ausschnitt, der in verschiedene Stellungen gebracht werden kann und immer neue Auftrittsmöglichkeiten eröffnet.

Die Festspiele wollen damit ihrer Tradition treu bleiben und ein spektakuläres Bühnenbild mit Skulpturen-Charakter präsentieren. Premiere der "Tosca" ist am 19. Juli, Ulf Schirmer, Chef des Münchner Rundfunkorchesters, dirigiert die Wiener Symphoniker. Der Bühnenentwurf stammt von Johannes Leiacker, Regie führt Philipp Himmelmann. "Ich bin ein großer Freund der Spielereien, die in Bregenz möglich sind", sagt Himmelmann. "Die sollten allerdings immer der Sache dienen und nicht Selbstzweck sein."

Heuer wollen die Festspiele erstmals eine Übersetzung per Übertitel bieten, wahrscheinlich auf den beiden Leinwänden links und rechts neben der Bühne, wo seit 2005 Orchester und Dirigent zu sehen sind. Die werden mittlerweile nicht mehr in den "Bunker" unter die Seebühne verbannt, sondern sitzen im komfortableren Graben des Festspielhauses ­ eine knifflige Koordinierungsaufgabe für die Tontechnik.

Die Neuproduktion im Haus gilt heuer Benjamin Brittens 1973 uraufgeführter Oper "Tod in Venedig" nach Thomas Manns gleichnamiger Novelle (Premiere 18. Juli). Für die musikalische Leitung wurde Paul Daniel verpflichtet, für die Regie der japanische Schauspieler Yoshi Oida. Brittens erstes Bühnenwerk, die Operette "Paul Bunyan", ist ab 27. Juli im Theater am Kornmarkt zu erleben (Dirigent: Steuart Bedford; Regie: Nicholas Broadhurst). Gastspiele des Hamburger Thalia Theaters (Jorinde Dröses Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum"), des Wiener Theaters in der Josefstadt (Hamptons "Gefährliche Liebschaften", Regie Janusz Kica) und Orchesterkonzerte runden das Programm ab.

Die Bregenzer sind dabei stolz darauf, dass sie seit zwölf Jahren ohne Subventionserhöhung auskommen. Bei einem Jahresbudget von 20 Millionen Euro werden etwa 80 Prozent selbst eingespielt, dies vor allem durch die Seebühnen-Produktion vor allabendlich 7000 Zuschauern ­ die meisten übrigens aus Süddeutschland.

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