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„Tutti gli amici miei“ – all meine Freunde: So sang Ramazzotti den begeisterten Münchnern zu – darunter waren überraschend viele Männer.

Ein Tausendsassa in Bestform

München - Begeistertes Wiedersehen: Eros Ramazzotti feiert in der Olympiahalle ein mitreißendes Frühlingsfest der Rockmusik.

„Wunderbar. Wun-der-bar! Wunderbar.“ So rief es Eros Ramazzotti ein ums andere Mal, weil er begeistert von den Münchnern war und weil ihm andere deutsche Worte fehlen – wurschtegal, die Leute wollten ja auch Italienisch hören, Sprache der Liebe und des Südens, und sie gaben es ihm erstaunlich textsicher zurück. Das Konzert am Donnerstag in der ausverkauften Olympiahalle, dem Ramazzotti am Freitag einen zweiten Auftritt folgen ließ – es war, als ob sich beste Freunde nach langer Zeit in die Arme stürzen und wie verrückte Frühlingsnarren herumspringen.

Er ist ein Tausendsassa, dieser 46-jährige Römer, der da in Bestform über die Bühne tollte. Einer, der die Dinge schon ernst nimmt, aber seine Späße damit treibt. Der nicht zu viel Schmachterei aufkommen lassen, sondern ein Frühlingsfest der Rockmusik feiern will – festeggiare, per favore!

Schon wie Italiens Popstar Nummer eins zu Beginn in einer Kiste herunterschwebt: augenzwinkernde Hommage an das theatralische Gehabe all der Superstars. Dass auch er selbst noch einer ist, dessen Tournee zum neuen Album „Ali e radici“ tadellos läuft, das lässt er nicht spüren, so volksnah und allürenfrei wie er ist. Zu „Un’attimo di pace“ schnappt er sich einen Italien-Wimpel aus emporgereckten Händen, wischt ihn übers graue Dreitage-Haar und wirft ihn zurück. Er wackelt den Damen mit dem Popo zu, lässt zu „Terra promessa“ reichlich unvirtuos die E-Gitarre jaulen und bricht das wunderschöne „L’aurora“ ab, um mit „ba-ba-ba“ das Jazzklavier nachzuplappern. Das ist live, das ist prima, viva Monaco!

Und die nördlichste Stadt Italiens, die er nach vier Jahren wieder beehrte, machte ihrem Titel alle Ehre. Nicht nur, dass 10 000 Leute auch in ihren besten Jahren noch ohrenbetäubend jubelten, als Eros, der echt erfreut war, in München zu sein, sang: „Se bastasse una canzone/ Per convincere quelli di Monaco di Baviera“ – wenn ein Lied reichen würde, um die Münchner zu überzeugen. Das tat es eh! Noch dazu trällerte das Publikum – darunter viele Italiener – so glasklar die Refrains mit, dass selbst Eros baff war.

Keine einzige Länge. Leider spielte er nur drei Songs vom neuen Album, darunter „Appunti e note“, der frischen Eröffnungs-Brise. Doch die Klassiker fetzen halt: „Terra promessa“, „Storia importante“ und „Adesso tu“ verquickte er unbekümmert zum Medley. Das Duett „I belong to you“, im Original mit Anastacia, gab er mit Background-Mädel Chiara; das epische „Musica è“ sang er allein. Spritzig seine Solo-Einlage an der Akustikgitarre mit „Contro vento“, und witzig, wie er bei „Fuoco nel fuoco“ einen Operntenor karikierte.

Von wegen Eros-Konzerte seien nur schmachtfetzige Ersatzbefriedigung für liebeskranke Damen! Irre, was Eros für eine Hit-Maschine ist – lauter melodienstarke Midtempo-Rocknummern und Balladen. Irre, wie seine kernige, schartig-sanfte Stimme über die Tonleiter jubelt und wie geschmeidig das Zusammenspiel mit den grandiosen Musikern hinhaut. Zu diesem Frühlingsfest passte es auch, dass Eros am Ende nicht nur seine Künstler, sondern frech auch sich selbst vorstellte – unbeschreiblich charmant.

So fegte dieser Latin Lover und Teddybär, Träumer und Treibauf in T-Shirt und Jeans gute zwei Stunden über die Bühne. Gab eine Zugabe und entschwand in der Holzkiste. „Più bella cosa non c’è“ – etwas Schöneres gibt es nicht. A presto, Eros, bis bald, und: „Wunderbar!“

Christine Ullrich

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