Team Theater: Naschkätzchen

- "Die wundersame Schustersfrau" - macht einen eigentlich gar nicht an, klingt altmodisch und nach Brettl-Schwank. Schwank stimmt schon. Aber der Autor ist eben Federico Garcí´a Lorca, Spezialist für "Bluthochzeiten" und für die an "Bernarda-Alba"-Herzensenge scheiternde Liebe. Das ist so heute kein Thema mehr. Aber indem Martina Veh von der Ehe-Farce abhebt in dunkel glühende andalusische Traum-Sequenzen, bleibt Garcí´a Lorcas "Zapatera Prodigiosa" ohne auch nur ein Fleckerl Antik-Staub (Münchner Team Theater).

<P>Der Schuster ist gütig, aber viel zu alt für sie. Da flüchtet sich das Frauchen in erotische Fantasien. Und macht ihm tags mit Kratzbürstigkeit und Fremd-Flirten das Leben zur höllischen Unruhe - sodass er sie verlässt. Statt jetzt die Freier und den reichen Dorf-Alcalden zu erhören, sehnt sie ihren Mann zurück. Verklärende Liebe? Die Beziehungen dieser Archetypen (das "schlecht verheiratete Mädchen") liegen klar auf der Hand, lassen umso mehr Spielraum für Bilder, Stimmungen, Träume.<BR><BR>Erotische Fantasienn im Flamenco-Rhythmus</P><P>Und die sind inspiriert vom Zauber des Märchens, von der Anmut des Tanzes - was auch Ausstatterin Barbara Schwarz berücksichtigt hat. Ihr häusliches Gefängnis aus senkrecht gespannten Seilen ist zugleich Durchlass für die Verlockungen der Welt draußen und die Traumgeschöpfe der Schusterin: Die Gerüchte-Mischerin (Ursula Stampfli) und Don Amsel (Markus Anton) tippeln klackernd herein wie aufgezogene Spielzeugfiguren. Amsel, der Arme, erleidet seine Verliebtheit als Schüttelkrankheit. </P><P>In schwebendem Übergang werden beide zu Flamenco-Personal, mit Stöcken und Fuß harten Rhythmus vorgebend. Erzähler und Schusterpaar gesellen sich dazu, evozieren mit trocken-tonlosem "Cante" und steten Flamenco-"Palmas" vielleicht das, was in dieser ungleichen Verbindung als Bedrohung heraufzieht.<BR><BR>Man könnte sich den Schuster auch ganz anders vorstellen, aber Michael Traynor ist total typgerecht der weinerliche Schlappschwanz, am glücklichsten in seiner Pantoffelwärme. Julia Koschitz, wunderbar, sprengt das Klischee, ist lebensgieriges Naschkätzchen, wache Pragmatikerin, im Traum, in ihren Zeitlupenbewegungen (angeregt von Butoh-Tanz-Choreographin Yvonne Pouget) wie eine aufgehende Unterwasserblüte. Stimme, Geste, Blick, das ist bei ihr eins. Das tanzt alles. </P><P>Nie ein falscher Ton, wenn sie sich Liebe ausmalt, mit einem vergangenen Werber. Am Ende kehrt der Schuhmacher zurück. Happy-End? Das wäre nicht zeitgenössisch. Gleich fauchen sich die beiden an. Die Endlosschleife des Geschlechterkampfes. Eine ganze kleine Spur kürzer, dann könnte man sich's sogar nochmal ansehen. </P><P>Mittwoch bis Samstag, Tel. 089/ 26 04 333.</P><P> </P>

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