News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

Team Theater: Naschkätzchen

- "Die wundersame Schustersfrau" - macht einen eigentlich gar nicht an, klingt altmodisch und nach Brettl-Schwank. Schwank stimmt schon. Aber der Autor ist eben Federico Garcí´a Lorca, Spezialist für "Bluthochzeiten" und für die an "Bernarda-Alba"-Herzensenge scheiternde Liebe. Das ist so heute kein Thema mehr. Aber indem Martina Veh von der Ehe-Farce abhebt in dunkel glühende andalusische Traum-Sequenzen, bleibt Garcí´a Lorcas "Zapatera Prodigiosa" ohne auch nur ein Fleckerl Antik-Staub (Münchner Team Theater).

<P>Der Schuster ist gütig, aber viel zu alt für sie. Da flüchtet sich das Frauchen in erotische Fantasien. Und macht ihm tags mit Kratzbürstigkeit und Fremd-Flirten das Leben zur höllischen Unruhe - sodass er sie verlässt. Statt jetzt die Freier und den reichen Dorf-Alcalden zu erhören, sehnt sie ihren Mann zurück. Verklärende Liebe? Die Beziehungen dieser Archetypen (das "schlecht verheiratete Mädchen") liegen klar auf der Hand, lassen umso mehr Spielraum für Bilder, Stimmungen, Träume.<BR><BR>Erotische Fantasienn im Flamenco-Rhythmus</P><P>Und die sind inspiriert vom Zauber des Märchens, von der Anmut des Tanzes - was auch Ausstatterin Barbara Schwarz berücksichtigt hat. Ihr häusliches Gefängnis aus senkrecht gespannten Seilen ist zugleich Durchlass für die Verlockungen der Welt draußen und die Traumgeschöpfe der Schusterin: Die Gerüchte-Mischerin (Ursula Stampfli) und Don Amsel (Markus Anton) tippeln klackernd herein wie aufgezogene Spielzeugfiguren. Amsel, der Arme, erleidet seine Verliebtheit als Schüttelkrankheit. </P><P>In schwebendem Übergang werden beide zu Flamenco-Personal, mit Stöcken und Fuß harten Rhythmus vorgebend. Erzähler und Schusterpaar gesellen sich dazu, evozieren mit trocken-tonlosem "Cante" und steten Flamenco-"Palmas" vielleicht das, was in dieser ungleichen Verbindung als Bedrohung heraufzieht.<BR><BR>Man könnte sich den Schuster auch ganz anders vorstellen, aber Michael Traynor ist total typgerecht der weinerliche Schlappschwanz, am glücklichsten in seiner Pantoffelwärme. Julia Koschitz, wunderbar, sprengt das Klischee, ist lebensgieriges Naschkätzchen, wache Pragmatikerin, im Traum, in ihren Zeitlupenbewegungen (angeregt von Butoh-Tanz-Choreographin Yvonne Pouget) wie eine aufgehende Unterwasserblüte. Stimme, Geste, Blick, das ist bei ihr eins. Das tanzt alles. </P><P>Nie ein falscher Ton, wenn sie sich Liebe ausmalt, mit einem vergangenen Werber. Am Ende kehrt der Schuhmacher zurück. Happy-End? Das wäre nicht zeitgenössisch. Gleich fauchen sich die beiden an. Die Endlosschleife des Geschlechterkampfes. Eine ganze kleine Spur kürzer, dann könnte man sich's sogar nochmal ansehen. </P><P>Mittwoch bis Samstag, Tel. 089/ 26 04 333.</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache
„Gscheid gfreid“ hat sich Martina Schwarzmann am Sonntag. Die Kabarettistin erhielt die „Bairische Sprachwurzel“. Damit wurde ihr Einsatz zur Rettung der Dialektvielfalt …
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache

Kommentare