Teamtheater: Von Hölderlin zur Rumplhanni

- Er performed sich "verwaltungsmäßig" unverdrossen durch die Jahre und Uhrzeiten, der Mann der's ausgesprochen mit den Zahlen hat: Holger Dreissig, kurz H 30. Jetzt schlug bei ihm die "15. Stunde". Und das auch noch auf "Seite 666". Montiert aus dieser so hübsch-seriell anmutenden Seitenzahl von ganz, ganz vielen solcher umfangreicher Bücher entstand ein "Theaterstück" (echt?). Wir meinen: "666 - Apokalypse now", direkt im Münchner Teamtheater.

<P>Ein Lesekabinett mit türkisenem Sofa genügt dem "Verwaltungsperformer" 30: Hier raunen schließlich große Denker, auch bescheidenere Schreibwichte, Cervantes, Kleist, Dostojewsky, Goethe, Gogol, Hegel, Sloterdijk, Marx, 1001 Nacht, Warhol, Lexika, die Bibel und Bocuse. Und viele mehr. So gelangt man von Feuchtwanger zur New Yorker Schwulenszene, von Gucci zur Blätterteigtorte, von Hölderlin zur "Rumplhanni". </P><P>Wenn hier H 30 und sein wörterndes Quartett auf dem Kanapee die knorrig bayerische Sippschaft geben, hat es tatsächlich mal einen knappen Volkstheater-Charme. Aber sonst herrscht ungemeiner Konstruktcharakter, da man so tut, als rede man miteinander, während man doch nur die 666. Seite von Joyce, Melville oder Murakami rezitiert. Witz, Ironie oder markante Obertöne hört man selten in fleißig Dreissigs aus eigenem Bücherregal (sagt er) "erlesener" Text-Performance, die er selbst als brokat-gestylter Confé´rencier bierernst noch umkränzt mit dem moralischen Passe-partout: "Man müsse überhaupt nichts wissen, außer mit den Menschen umzugehen." Was zu diesem "Blätter"-Teig noch an Moriskentanz Marke Weekend-Amateurtreff dazugewürzt, was an Zwischenmusiken in dieses Winztheater geknattert wurde, ist . . . Ach nee, Schwamm drüber.<BR><BR></P>

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