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Und welche Szene sehen wir hier? Korrekt: Ophelia (Isabella Leicht) ertränkt sich, weil sie nicht darüber hinwegkommt, dass Hamlet ihren Vater ermordet hat.

Wahnsinns-Weiber

München - Theater ums Theater: Das Münchner Teamtheater Tankstelle zeigt eine vogelwilde Shakespeare-Farce.

Was sagte Polonius einst über Hamlet? „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“ Polonius lebte nach dieser Feststellung nicht mehr lange – und ist sowieso von William Shakespeare erfunden –, da darf man sich seinen Ausspruch über den Dänenprinzen getrost borgen, um den Abend zu charakterisieren, der am Mittwoch im Teamtheater Tankstelle Premiere feierte: Die vogelwilde Collage „Shakespeares wilde Weiber“ vom Autorentrio Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan, die bereits vergangenen September beim Kultursommer Garmisch-Partenkirchen uraufgeführt wurde, hatte nun Münchner Erstaufführung: Sie ist Theater-Tollheit mit Methode – und mit, pardon, Wahnsinns-Weibern, die wahnsinnige Weiber (und ebensolche Männer) aus Shakespeares Wahnsinnswelt spielen.

Ausgangspunkt des eineinhalbstündigen Vergnügens ist eine Leseprobe zu „Macbeth“. Hier treffen drei Frauen aufeinander, die alle überzeugt sind, dass ihnen die Rolle der Lady Macbeth zugesichert wurde: das tumb-attraktive Soap-Sternchen Julia sowie Dramaturgin Andrea, eine verhinderte Schauspielerin mit einem schier unglaublichen Wissen über ihren Säulenheiligen Shakespeare, und die so erfahrene wie arrogante Molly, die eigentlich keine Zeit hat, weil zuhause ihr Kleinkind wartet.

Regisseur Harald Helfrich und die Schauspielerinnen Isabella Leicht (Andrea), Ursula Berlinghof (Molly) und Claudia Helene Hinterecker (Julia) haben diese Komödie nun derart schrill und temporeich in Szene gesetzt, dass einzelne Plattheiten und Durchhänger der Vorlage nicht weiter auffallen. Und über die wenigen Lieder, die die drei singen müssen, hüllen wir gnädig den Mantel des Hamlet’schen Schweigens.

Bleibt also die Feststellung, dass dieser herrlich schräge Theaterwahnsinn bei Leicht, Berlinghof und Hinterecker sehr gut aufgehoben ist, da sie ihn mit Lust und großem Körpereinsatz über die Bühne rollen lassen. Dankenswerterweise gelingt es allen dreien mit ihrem frischen, zupackenden Spiel sehr oft, ihre Figuren aus der Klischeefalle zu befreien. Eine Aufgabe, die für Hinterecker sicher am schwersten zu bewältigen ist, da das Autorentrio über ihre Figur, Soap-Darstellerin Julia, wirklich nur die abgenudeltsten Vorurteile aufgeschrieben hat. Sei’s drum.

„Schwachheit, dein Name ist Weib!“, jammerte Hamlet. Er hat „Shakespeares wilde Weiber“ nicht gesehen. Da konnte es ja nichts werden mit ihm. Der Arme.

Michael Schleicher

Weitere Vorstellungen

bis 22. September;

Telefon 089/ 260 43 33.

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