U2 und U7: Zugausfälle, Unterbrechungen und Verzögerungen

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Techtelmechtel mit dem Kanzler

- Es ist der Moment, in dem der Deutschlehrer bleich wird: wenn wieder einmal einer seiner Schützlinge den Autor eines Romans mit dessen Hauptfigur verwechselt hat. Aber wenn es doch so nahe liegend ist! Und Autorin Erika Pluhar legt es uns nahe. Sie lebt in Österreich, war lange Zeit Schauspielerin und schreibt nun Bücher. Die Hauptperson ihrer neuen Erzählung "Die Wahl" heißt Charlotte Wohlig, lebt in Österreich, war lange Zeit Schauspielerin und wird nun von der Politik gefordert: Die sozialdemokratische Partei will sie als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl.

Charlotte sagt zu, weil sie glaubt, mit ihrer Ehrlichkeit gegen oberflächliche Politikbehauptung anzukommen, und beginnt ihren Kampf gegen den Populismus der Rechten. Das heißt: gegen die Partei von "Sepp Walder" (Wer denkt da nicht an Jörg Haider?) und ihrer Mitglieder wie "Sabine Spalt-Klemmer", deren Name an die FPÖ-Vorsitzende Susanne Ries-Passer erinnert. Die Ähnlichkeiten sind zu offensichtlich, um nicht auch die Protagonistin darin einzubeziehen.

Charlotte Wohlig schreibt ihrer Tochter Briefe über den Wahlkampf, beginnt eine Liebesbeziehung mit dem Kanzler und gerät dadurch in Bedrängnis: Ihre Gegner wissen davon und bedrohen sie und ihre Tochter, die im Rollstuhl sitzt. Doch Charlotte tritt die Flucht nach vorn an.

Erika Pluhar hat ja auch Recht mit all dem, was sie der intelligenten Charlotte in den Mund legt. Aber wieso sagt Pluhar es nicht einfach selbst? Sondern verpackt es in eine Erzählung mit Tränen, Gewissensbissen und blindem Mutter-Tochter-Verständnis? Als ob das alles noch beweisen müsste, dass Frau Wohlig tatsächlich so ehrlich und gefühlvoll ist, wie sie sich in ihren Aussagen darstellt.

Erika Pluhar scheint sich selbst nicht ganz sicher zu sein, dass Worte glaubhaft sein können. Wie jede gute Kampagne steckt auch sie ihre Kandidatin in das Gewand der emanzipierten Frau und lässt sie sanft - aber weise! - lächeln. Oder will sie einfach nur sich selbst ins Spiel bringen für die nächste Bundespräsidentenwahl? Die Reden dafür hätte sie ja schon.

Erika Pluhar: "Die Wahl". Hoffmann und Campe, Hamburg. 254 Seiten, 18,90 Euro. "Lieder der Erika Pluhar" sind heute, 19.30 Uhr, im Gärtnerplatztheater zu hören. Karten unter Tel. 089/ 2185-1960.

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